In der vergangenen Woche hatte bereits Morgan Stanley für das dritte Quartal einen Gewinneinbruch um 41 Prozent bekanntgegeben. Die Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds nach den Terroranschlägen vom 11. September wird nach Einschätzung der Banken die Ergebnisse weiter belasten. Das dritte Quartal endet bei den US-Banken am 31August.
Investmentbanken, vor allem wenn sie stark bei Aktienemissionen und im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen engagiert sind, leiden besonders unter der Börsenschwäche. In diesen Sparten haben die darauf spezialisierten Investmentbanken in der Vergangenheit glänzend verdient. Entsprechend brechen ihre Erträge jetzt ein, nachdem diese Geschäfte weltweit fast zum Erliegen gekommen sind.
Bei Goldman Sachs schlug sich dies in einem Rückgang des Reingewinns im dritten Quartal verglichen mit dem zweiten Quartal um 19 Prozent auf 468 Mio. $ nieder. Verglichen mit dem dritten Quartal 2000 brach der Gewinn sogar um 43 Prozent ein.
Bear Stearns, ebenfalls spezialisiert auf Mergers & Acquisitions (M&A) und Börseneinführungen, erwischte es nicht ganz so schlimm. Aber auch hier fiel der Reingewinn im Vergleich zur entsprechenden Vorjahreszeit um 25,8 Prozent auf 134,6 Mio. $.
Die Aktie von Goldman Sachs stieg nach Bekanntgabe der Zahlen um knapp zwei, diejenige von Bear Stearns um etwa ein Prozent. Das lag daran, dass die Ergebnisse beider Banken im oberen Bereich der Analystenschätzungen lagen.
Goldman-Sachs-Chef Henry Paulson erklärte, er sei sehr zuversichtlich über die langfristigen Geschäftsaussichten der Investmentbank. Die unmittelbaren Auswirkungen der Attentate vom 11. September würden jedoch das Geschäftsklima verschlechtern und die wirtschaftliche Erholung verlangsamen.
"Angesichts der fiskalischen und geldpolitischen Anreize gehen wir jedoch davon aus, dass die Konjunkturerholung stärker ausfallen wird als ursprünglich erwartet", erklärte Paulson. Liquidität, Finanzkraft und Einrichtungen von Goldman Sachs waren nach Angaben des Unternehmens durch die Anschläge nicht materiell betroffen.
Besonders zu Buche schlugen bei Goldman Sachs die Kursverluste bei Investments im Telekommunikations- und Technologiesektor. Der Gewinn je Aktie fiel auf 87 Cent verglichen mit 1,62 Cent vor Jahresfrist. Analysten hatten den Gewinn je Aktie auf 70 bis 98 Cent geschätzt. Im Investmentbanking gaben die Erträge von Goldman Sachs um 17 Prozent auf 1,10 Mrd. $ nach. Das Wertpapierportefeuille hatte einen bewertungsbedingten Nettoverlust von 445 Mio. $ zu verzeichnen, nachdem hier vor Jahresfrist noch ein Gewinn von 480 Mio $ ausgewiesen worden war.
Auch Bear-Stearns-Chef James Cayne rechnet kurzfristig nicht mit einer Erholung des Geschäfts. "Die Marktbedingungen im dritten Quartal waren schwierig und haben sich zu Beginn des vierten Quartals weiter verschlechtert", erklärte Cayne. Die Investmentbanking-Erträge des Unternehmens fielen im dritten Quartal um drei Prozent auf 213,5 Mio. $. Dabei brachen die Erträge im Aktienhandel um 32 Prozent auf 244,7 Mio. $ ein. Im Rentenhandel verzeichnete Bear Stearns hingegen einen Erlöszuwachs um 78 Prozent auf 416,1 Mio. $. Die Firma profitierte somit vom Bestreben der Investoren, sichere Anlagehäfen anzusteuern.