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Merken   Drucken   06.11.2008, 14:07 Schriftgröße: AAA

Island-Anlagen: KfW lässt kein Fettnäpfchen aus  

Der KfW drohen weitere Verluste aus schlecht angelegten Wertpapieren. Die Staatsbank ist mit fast 300 Mio. Euro in Island investiert - das Land steht am Rand der Zahlungsunfähigkeit. von Elisabeth Atzler (Frankfurt)
Die Staatsbank KfW wird voraussichtlich auch Geld in Island verlieren. Sie ist mit 288 Mio. Euro über Kredite und Wertpapiere in dem Land, das fast in den Bankrott geschlittert ist, engagiert. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion an das Bundesfinanzministerium hervor, über die die "Rheinische Post" vorab berichtet hat. Die KfW bestätigte die Summen.
In dem Schreiben des Finanzministeriums heißt es, dass die KfW für mögliche Verluste eine "vorläufige Risikovorsorge in Höhe von 98 Mio. Euro" gebildet habe. "Es ist ganz schwer zu sagen, was wir zurückbekommen", sagte ein KfW-Sprecher. Die Bank gehe aber davon aus, einen Teil des Geldes zurückzuerhalten.
Fehler in Serie
Die KfW steht bereits heftig in der Kritik, weil sie noch Mitte September 319 Mio. Euro an die US-Investmentbank Lehman Brothers überwiesen hat - obwohl die Pleite des Instituts bereits klar war. Tage zuvor hatten Medien über die Liquiditätsprobleme der Bank berichtet. Die Transaktion war Teil eines Währungstauschgeschäfts, für das die KfW im Normalfall auch eine Zahlung von Lehman erhalten hätte. Zwei KfW-Vorstände mussten daraufhin gehen. Gegen den gesamten Vorstand ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue.
Zudem wird kritisiert, dass die KfW beim Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB keine glückliche Rolle gespielt hat. Die IKB, bei der die KfW Großaktionärin war, stand im Sommer 2007 vor dem Aus und konnte nur durch ein Hilfspaket der gesamten deutschen Kreditwirtschaft, maßgeblich der KfW, sowie des Bundes gerettet werden. Die KfW fuhr deswegen selbst einen Verlust ein und dürfte auch 2008 rote Zahlen schreiben.
Deutsche Banken sind Islands größter Gläubiger
Im Fall der Island-Anlagen steht die KfW jedoch keineswegs allein da. Den deutschen Banken drohen im Fall einer Staatspleite hohe Ausfälle: Geldhäuser und andere Kreditnehmer des Inselstaats schuldeten deutschen Instituten per Ende des zweiten Quartals rund 21 Mrd. $ - das entspricht fast einem Drittel der Gesamtschuld des Landes sowie rund der Hälfte der Schulden, die Island bei europäischen Banken hat.
Die deutschen Banken sind damit bei Weitem die größten Gläubiger des Landes. Grund für die katastrophale Lage Island ist, dass die drei größten Banken des Landes riesige Bilanzsummen aufgebaut hatten und zugleich die heimische Währung rapide verfallen ist.
Die 288 Mio. Euro entfallen vor allem auf ein Globaldarlehen über 150 Mio. Euro, das die KfW einer isländischen Bank ausgereicht hat - was zeigt, dass die eigentlich auf die Förderung des deutschen Mittelstands fokussierte Staatsbank auch auf etlichen Nebenschauplätzen aktiv ist. Das isländische Institut wiederum hat das Geld dem KfW-Sprecher zufolge an eine norwegische Tochter weitergereicht. Hier versucht die KfW nun, gerichtlich vorzugehen, um die Mittel zu erhalten.
Den Rest des Geldes hat die KfW vor allem in isländische Staatsanleihen sowie in Anleihen isländischer Banken gesteckt. Dabei ist noch völlig unklar, ob die Banken Mittel auszahlen werden.
  • FTD.de, 06.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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