Auf Island fühlt man sich bestätigt in dem Verdacht, dass die Finanzelite des Landes dubiose Geschäfte mit sich selber machte und Aktienkurse durch kreditfinanzierte Käufe nach oben getrieben hat. Derweil versucht Kaupthing, die Verbreitung der Informationen mit juristischen Mitteln zu stoppen - und erntet dafür Kritik von der politischen Elite.
Das auf den 25. September 2008 datierte Dokument, das der FTD vorliegt, enthält Einschätzungen zu allen Schuldnern von Kaupthing, die von der Bank mehr als 45 Mio. Euro geliehen haben.
Die Liste der größten Schuldner gleicht auch der Übersicht über die Großaktionäre von Kaupthing, bevor die Bank Anfang Oktober 2008 unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Von der Pleite waren auch 30.000 deutsche Sparer betroffen, die der Bank rund 300 Mio. Euro Sparvermögen anvertraut hatten. Die Sparer sollen aber in den kommenden Wochen entschädigt werden.
So standen die Investmentgesellschaft Exista und mit ihr verbundene Gesellschaften wenige Tage vor dem Crash bei Kaupthing mit über 1,2 Mrd. Euro in der Kreide. Gleichzeitig hielt Exista auch mehr als 20 Prozent der Kaupthing-Aktien. Zum größten Aktionär hatte man anscheinend so viel Vertrauen, dass auf umfassende Sicherheiten für diesen Riesenkredit verzichtet wurde: Ein Kredit über insgesamt 600 Mio. Euro war als "unbesichert" etikettiert. Lediglich 100 Mio. Euro waren laut des 210 Seiten starken Dokuments direkt durch Einlagen abgesichert.
"Die Isländer fühlen sich durch die Auflistung in ihren Befürchtungen bestätigt, dass die Haupteigentümer die Banken als Selbstbedienungsladen genutzt haben", urteilt der Politikwissenschaftler Audunn Arnorsson.