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Merken   Drucken   30.09.2009, 20:02 Schriftgröße: AAA

IWF-Bericht: Krise, zweiter Akt  

Leitartikel Die europäischen Banken haben einigen Nachholbedarf bei Abschreibungen. Darauf, was den deutschen Instituten noch bevorsteht, gab die LBBW letzte Woche einen Vorgeschmack.
Es war ein schöner Sommer für Europas Banken. Das Geschäft mit Anleihen und Devisen lief so gut, dass viele von ihnen im ersten Halbjahr schon wieder ordentliche Gewinne machten. Von Giftpapieren war kaum mehr die Rede. Und selbst die deutschen Landesbanken nährten mit passablen Zahlen die Hoffnung, die Finanzkrise könnte ausgestanden sein.
Diese Hoffnung wird nun enttäuscht. Laut der neuesten Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Banken der Euro-Zone erst 40 Prozent der gesamten Belastungen abgeschrieben. Sie haben also noch viel Nachholbedarf.
Obwohl die Finanzkrise von den USA ausging, sind die Amerikaner den Europäern in der Aufarbeitung der Krise ein ganzes Stück voraus. Das liegt einerseits an Europas Banken, die toxische Wertpapiere viel zaghafter abgeschrieben haben als ihre amerikanischen Konkurrenten. Es liegt aber auch an der unterschiedlichen Reaktion der Politik: Die USA haben auf dem Höhepunkt der Krise schnell ihre ideologischen Bedenken über Bord geworfen und den Banken staatliches Kapital aufgezwungen. Damit hat der amerikanische Staat nicht nur ein gutes Geschäft gemacht, weil sein Engagement verzinst wurde. Er hat auch dafür gesorgt, dass die US-Institute mit einer stärkeren Kapitalbasis in den zweiten Teil der Krise gehen als die in Deutschland.
Denn dass dieser zweite Teil kommt, ist so gewiss wie der nächste Krach in der SPD. In der vergangenen Woche gab die Landesbank Baden-Württemberg einen Vorgeschmack: Trotz eines Gewinns im ersten Halbjahr droht der LBBW Finanzkreisen zufolge im Gesamtjahr ein Verlust von 2 Mrd. Euro. Grund sind riesige Abschreibungen auf Unternehmens- und Immobilienkredite. Ähnlich schlimm könnte es auch für andere Banken werden, die sich auf dem Weg der Besserung wähnten.
Für die Gesamtwirtschaft heißt das nichts Gutes: Die Abschreibungen der Banken zehren das Eigenkapital weiter auf. Das wiederum bedeutet, dass die Institute weniger Kredite an Unternehmen vergeben können. Gerade im beginnenden Aufschwung, in dem die Firmen wieder mehr Geld für Investitionen brauchen, wäre das fatal.
Die deutsche Politik hat es verpasst, früh einzugreifen und den Banken Kapital aufzuzwingen. In der jetzigen Situation sind ihre Mittel, um eine Kreditklemme zu verhindern, jedoch begrenzt. Nun sind vor allem die Institute selbst gefragt. Sie müssen ihre Gewinne aus dem Eigenhandel dazu nutzen, sich wetterfest zu machen. Hohe Dividendenausschüttungen sollten damit für die nächsten Quartale tabu sein. Das müssen auch die Aktionäre einsehen. Es kann nicht in ihrem Sinn sein, wenn ihre Bank von einer Existenzkrise in die nächste rauscht.
Auch über Kapitalerhöhungen sollten Banken nachdenken, gerade die deutschen. Ausländische Konkurrenten wie BNP Paribas  oder Unicredit  machen es vor. Sie wollen die gute Stimmung an den Märkten nutzen. Wer weiß, wie lange sie noch hält.
  • Aus der FTD vom 01.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 01.10.2009 08:28:42 Uhr   Reiner Tiroch: 2. Akt

    3,4 Bilionen gesamtschaden, 60% offen sind noch 2,04 Bilionen die noch nicht abgeschrieben sind. Da macht man dem Volk weis, dass die Krise vorbei sei? Weitere Bilionen in Bad-Banks verschieben und alles ist palettie? Das ist nur Labsaal für Optimisten. Da die Wahl vorbei ist, kommt bald die Wahrheit.

  • 01.10.2009 04:16:11 Uhr   grufti: krise zweiter akt
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