Noch in Dezember 2001 hatte Ackermann gefordert, die Führungsstruktur der Deutschen Bank müsse in Richtung des amerikanischen Modells weiterentwickelt werden. Diese Äußerung hatte hohe Wellen geschlagen. In Deutschland steht ein Vorstand an der Spitze eines Unternehmens, der von einem Aufsichtsrat kontrolliert wird. In den USA hingegen werden Firmen von einem mächtigen Chief Executive Officer (CEO) geführt, der oft noch Chairman des Boards ist, das den CEO kontrollieren soll.
Im Dezember hatte Ackermann erklärt, insbesondere internationale Investoren wollten klare Führungsstrukturen. In dem auf Konsens bedachten deutschen Führungsmodell würden diese allzu oft verwischt.
Noch bevor Ackermann im Mai dieses Jahres an die Spitze der Deutschen Bank rückte, verpasste er dem Unternehmen eine neue Führungsstruktur - und das keineswegs konfliktfrei. Mit Thomas Fischer verlor die Deutsche Bank eines ihrer profiliertesten Vorstandsmitglieder. Heute hat die Bank einen vierköpfigen Vorstand, der für das Unternehmen denkt, und einen siebenköpfigen Exekutivausschuss, der es im Tagesgeschäft lenkt. In beiden Gremien ist Ackermann der Chef.
Vor der Schmalenbach-Gesellschaft lobte Ackermann nun das deutsche Führungssystem: "Das ist ein gutes Modell." Den Systemen in Amerika und der Schweiz stehe er kritischer gegenüber. Es sei gefährlich, wenn einzelne Personen auf Grund ihrer Machtfülle ein ganzes Unternehmen in eine Richtung ziehen könnten.
Die Skandale von Enron oder Worldcom waren in der Tat nicht eben Beweise für eine Überlegenheit des US-Systems. Auch in der Schweiz, deren Unternehmensverfassung der amerikanischen ähnelt, erzeugt die Verquickung von Aufsicht und operativer Führung Probleme. Erst vorige Woche hatte Lukas Mühlemann seinen Rücktritt angekündigt. Er war bislang bei Credit Suisse CEO und Verwaltungsratspräsident.