Der Blitzstresstest der europäischen Bankenaufsicht sollte Institute fit machen und Vertrauen herstellen. Stattdessen wird er selbst zum Risiko.
von Meike Schreiber ,
Tim Bartz
und Karsten RöbischFrankfurt
Im europäischen Bankenstresstest fallen voraussichtlich nicht nur vier, sondern sogar fünf deutsche Institute durch. Nach FTD-Informationen gehört auch die DZ Bank dazu, eines der beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute. Demnach wird die europäische Bankenaufsicht EBA der DZ Bank voraussichtlich verordnen, ihr Kapital um 350 Mio. Euro zu stärken. Unter den Bedingungen des Stresstests erreicht die DZ nur eine harte Kernkapitalquote von etwa 8,6 Prozent. Bis Juni 2012 muss sie der EBA jedoch neun Prozent vorweisen.
Der derzeit laufende Blitzstresstest der EBA wird damit immer mehr selbst zum Risiko. Die Simulation sollte die Banken eigentlich für die Staatsschuldenkrise fit machen und Vertrauen wiederherstellen. Die Maßnahme der noch jungen europäischen Behörde gilt aber mittlerweile als krisenverstärkend. Unter dem Druck des Stresstests haben bereits mehrere Banken signalisiert, dass sie keine Staatsanleihen mehr kaufen werden.
Aktionäre der DZ Bank nach Anteilen
Auf Geheiß der EU-Staaten hatte die Behörde im Oktober für die 70 größten Banken Europas einen Kapitalbedarf von 106 Mrd. Euro ermittelt. Davon entfielen laut vorläufigen Annahmen 5,2 Mrd. Euro auf die vier deutschen Institute Commerzbank, Deutsche Bank, Nord/LB und die Landesbank Baden-Württemberg.
Da die EBA dann aber auch die schlechteren Zahlen des dritten Quartals einbezog und ihre Rechenmethoden mehrfach änderte, sollen die mittlerweile fünf Banken sogar bis zu 12 Mrd. Euro auftreiben. Um die Kapitalanforderungen möglichst ohne Staatshilfen zu erreichen, müssen die Kredithäuser ihre Geschäfte einschränken.
Auch im Fall der zum Halbjahr profitablen DZ Bank zeigt sich der krisenverstärkende Effekt der EBA-Methode: Sie unterstellt den Banken Verluste bei den Staatsanleihen, weil sie davon ausgeht, dass sämtliche Papiere der Krisenländer auf Marktwerte abgeschrieben werden müssen. Insgesamt hält die DZ Bank zwar Staatsanleihen der Problemländer in Höhe von 7 Mrd. Euro, der große Batzen entfällt aber auf Spanien und Italien. Da diese Länder nicht akut von der Pleite bedroht sind, müssen die Banken diese Anleihen in ihren Bilanzen eigentlich gar nicht abschreiben. Das hatten jüngst auch die deutschen Wirtschaftsprüfer hervorgehoben.
Finanzkreisen zufolge geht die DZ Bank immerhin davon aus, die Kapitallücke ohne Hilfe der Eigner schließen zu können. Eine erneute Kapitalerhöhung wäre schwer durchzusetzen, da der genossenschaftliche Verbund dem Institut in der Krise bereits einmal unter die Arme gegriffen hatte. Die DZ Bank wird daher versuchen, Bilanzrisiken abzubauen. Das soll aber nicht das Kerngeschäft betreffen. Offiziell äußerte sich die Bank nicht.
Weitaus stärker betroffen ist die Commerzbank. Sie muss rund 5 Mrd. Euro auftreiben. Viele Analysten bezweifeln, dass der Bank dies gelingen wird, ohne erneut die Hilfe des Staates anzunehmen. Der Deutschen Bank fehlen nach FTD-Informationen knapp 3 Mrd. Euro. Anders als im Fall der Commerzbank gehen Experten davon aus, dass Deutschlands größtes Kreditinstitut die Vorgaben aus eigener Kraft erfüllen kann. Die Veröffentlichung der EBA-Daten ist noch in diesem Monat geplant.
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