Exklusiv
Die Bank ist in akuter Geldnot. Um ihr Eigenkapital zu stärken, braucht sie mehrere Milliarden. Da trifft es sich gut, dass eigene Anleihen am Markt unter Nennwert notieren.
von Karsten RöbischFrankfurt
Die Commerzbank will zur Stärkung ihrer Kapitalquote eigene Schulden in erheblichem Umfang zurückkaufen. Nach FTD-Informationen plant die Bank, bestimmte Anleihen unter ihrem Nennwert zurückzunehmen und die Besitzer mit neuen Aktien auszuzahlen. Das Institut strebt auf diese Weise eine Entlastung von 600 Mio. bis 1 Mrd. Euro an. Eine Stellungnahme lehnte das Unternehmen ab.
Mit dem Vorhaben reagiert die Commerzbank auf ihre akuten Kapitalnöte. Deutschlands zweitgrößtem Kreditinstitut fehlen nach vorläufigen Berechnungen rund 2,9 Mrd. Euro, um den Blitzstresstest der europäischen Finanzaufsicht EBA zu bestehen. Die Aufseher verlangen bis Mitte kommenden Jahres eine sogenannte harte Kernkapitalquote von neun Prozent. Im verschärften EBA-Stresstest, der unter anderem die schlechten Anleihekurse des dritten Quartals einschließt, soll das Defizit der Commerzbank gar bei rund 5 Mrd. Euro liegen.
Bankchef Martin Blessing steht daher unter großem Druck und will vor allem Bilanzrisiken abbauen. Die Commerzbank vergibt bis auf Weiteres nur noch Kredite, die im Zusammenhang mit den Kernmärkten Deutschland und Polen stehen. Die Staats- und Immobilienfinanzierungstochter Eurohypo hat das Neugeschäft vollständig eingestellt. Analysten bezweifeln jedoch, dass dies ausreicht. Um die Kapitallücke zu schließen, müsste die Bank innerhalb von sieben Monaten mehr als ein Fünftel ihres Bestands abstoßen.
Der geplante Tausch von sogenannten Hybridanleihen in Aktien wäre eine weitere Möglichkeit, die Kapitalbasis zu stärken. Die Papiere sind Schuldtitel ohne festgelegte Laufzeit, die jährlichen Zinsen hängen vom Gewinn des Emittenten ab. Die Anleihen zählen zwar zum Kernkapital, nicht aber zum harten Kernkapital, auf das es im EBA-Stresstest ankommt. Die Commerzbank hatte ihre Kapitalbasis so bereits Anfang des Jahres gestärkt. Für die Käufer war es allerdings ein schlechtes Geschäft. Sie erhielten die Aktien zum Preis von 5,30 Euro, aktuell steht der Kurs bei 1,25 Euro.
Die Commerzbank könnte auch Gewinne einbehalten. In diesem Jahr verhageln Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen das Ergebnis. Und je schlechter die deutsche Konjunktur, desto mehr schwindet die Ertragskraft. Das Ziel eines operativen Gewinns von 4 Mrd. Euro im kommenden Jahr hat Blessing bereits infrage gestellt. Nach FTD-Informationen rechnet die Bank intern erst für 2015 damit, die Marke zu übertreffen.
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