FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Sparkassen und Spanier streiten um die Farbe Rot

Merken   Drucken   08.09.2011, 10:55 Schriftgröße: AAA

Konflikt mit Santander: Sparkassen und Spanier streiten um die Farbe Rot

Die deutschen Sparkassen haben ein rotes Logo. Doch was passiert, wenn ein anderes Geldinstitut diese Farbe nutzt? Zwischen dem deutschen Sparkassenverband und der Bank Santander tobt ein skurriler Rechtsstreit. von Birgit Jennen, Madrid
Das Tuch der spanischen Stierkämpfer ist rot. Wie die Liebe. Das Logo der SPD ist rot. Die Sparkassen bekanntlich auch. So weit kein Problem. Ein Problem wird es jedoch, wenn eine andere Bank als die Sparkassen das reine, leuchtende Rot benutzt. Wie Spaniens größte private Geschäftsbank Santander. Dann ist es aus mit dem Rot der Liebe. Dann leuchten beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) alle Alarmlampen rot.
Dynamischer Anstrich
Zwischen Santander und dem DSGV ist im Gerangel um die Farbe Rot ein bizarrer Rechtsstreit entbrannt. Es war schließlich Santander-Chef Emilio Botín selbst, der dem Geldhaus seinen ganz persönlichen Anstrich geben wollte, als er 1986 von seinem Vater den Chefsessel übernahm und Santander von Grau in Blutrot färbte. Dynamisch und stark wollte der Banker daherkommen.
346 Santander-Filialen in Deutschland sind mittlerweile so rot ...   346 Santander-Filialen in Deutschland sind mittlerweile so rot angestrichen wie die der Sparkassen
Entsprechend selbstbewusst hat Santander dann auch Anfang des Jahres in Deutschland expandiert und die einst grün gefärbten Filialen der schwedischen SEB aufgekauft. Alle 346 Santander-Filialen in Deutschland sind mittlerweile so rot angestrichen wie die der Sparkassen.
Zu leuchtend rot, wenn es nach den Sparkassen geht: Denn schon 2007 hat der DSGV das purpurne, leuchtende Rot - Drucktechniker nennen den Farbton HKS 13, während sie beim Bordeauxrot von HKS 16 sprechen - beim Patentamt in München schützen lassen. Die Sparkassen schätzen den Wert ihrer Marke auf einen zweistelligen Milliardenbetrag, so beanspruchen sie das rote Markenzeichen im deutschen Kreditwesen allein für sich.
Norisbank und GE Money gaben klein bei
Und nachdem die Sparkassen zuvor schon gegen andere Geldinstitute wie die Norisbank und GE Money Bank ihr Farbmonopol durchsetzen konnten, pochen sie auch gegenüber Santander auf das, was sie als ihr Recht ansehen. "Es hat ein Urteil gegeben, das zu unseren Gunsten ausgefallen ist", sagt ein DSGV-Sprecher.
Tatsächlich hat im Februar das Landgericht Hamburg Santander im Privatkundengeschäft die Nutzung der Farbe Rot in zahlreichen Fällen etwa für Werbeplakate verboten. Fünf Monate später flatterte den Spaniern dann auch gleich eine einstweilige Verfügung ins Haus, die den Internetauftritt in Rot einschränkt. Denn es bestehe Verwechslungsgefahr, sagen die Richter des Landesgerichts.
Doch während die Norisbank einst auf Orangerot auswich und die GE Money Bank einen roten Geldautomaten in einer Einkaufspassage in Berlin-Wilmersdorf auf Wunsch der Sparkassen wieder abbaute (bevor sie 2008 von Santander übernommen wurde), bleibt Spaniens Großbank beharrlich rot. "Santander tritt dafür ein, dass die Dienstleistungsfreiheit in Europa gewahrt bleibt und jeder Dienstleister in der Farbe auftritt, die ihm beliebt", sagt Ulrich Leuschner, Vorstandschef der Santander Consumer Bank.
Beim Hamburger Oberlandesgericht haben die Iberer Berufung eingelegt. Auch beim Münchener Patentamt stellen sie das Sparkassenprivileg infrage und haben ein Verfahren auf Patentlöschung eingeleitet. Nun versuchen die Anwälte laut Branchenkreisen, eine gütliche Einigung zu finden. Rot ist nun mal eine Herzensangelegenheit. Für alle Beteiligten.

Farbe ist Geld
Farbe Ein strahlendes Rot assoziieren die Deutschen nicht nur mit der Liebe und der SPD, sondern auch mit ihrer Sparkasse. Das fand der Deutsche Sparkassen- und Giroverband in einer Befragung heraus. 2007 ließ der Verband den Farbton beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen.
Geld Den Wert ihrer Marke schätzen die Sparkassen auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. Das Markenzeichen wird verbissen verteidigt.
  • FTD.de, 08.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  17:51 Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12393,45  [-26.41 -0,21%
  Nasdaq Composite 2827,34  [-10.02 -0,35%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote