Kopf des Tages:Dieter Pfundt - Dealmaker ohne Deal
Der Investmentbankingchef von Sal. Oppenheim, Dieter Pfundt, sucht händeringend nach einem Käufer für seine Sparte. Derzeit beim Interimseigner Deutsche Bank geparkt, springen ihm immer wieder Bieter kurzfristig ab.
von Sven Oliver Clausen
und Rolf Lebert
Wer sich mit Dieter Pfundt trifft, sollte sich vorher mit Zahlenmaterial über die deutschen Banken eingedeckt haben. Der Investmentbankingchef der Privatbank Sal. Oppenheim verwickelt seine Gesprächspartner gern in längere Insiderdiskussionen. "Die Commerzbank-Aktie ist heute deutlich über dem Markt", sagt er dann und weist auf den Bildschirm auf seinem Schreibtisch, über den alle möglichen Finanzdaten flimmern. "Haben Sie eine Erklärung?" Selbst wenn man eine hat - Pfundt hat meist die bessere.
Dieter Pfundt, Investmentbankingchef der Privatbank Sal. Oppenheim
In den vergangenen Monaten musste sich der 57-Jährige allerdings viel mehr mit dem eigenen Haus als mit den Rivalen beschäftigen. Der Partner der vornehmen Privatbank sucht einen Käufer für seine Sparte. Bislang ohne Erfolg. Nachdem jüngst die italienische Bank Mediobanca abgesprungen war, platzte am Dienstag nun auch der Deal mit dem australischen Institut Macquarie.
Jetzt braucht er schnell eine Lösung, sonst werden ihm die besten Leute abgeworben. Da hilft es auch nicht, dass er am liebsten mit seiner Truppe an neuer Heimstatt, der Deutschen Bank, bleiben würde. Der Bankenprimus hat kein Interesse an der Sparte.
Pfundt führt seine Sparte seit 1996: weitgehend autonom und sehr selbstbewusst. Wie die Konkurrenz bietet auch Pfundt das gediegene Ambiente einer Privatbank: geschmackvolle Inneneinrichtung, tiefe Teppiche, Kunstwerk an Kunstwerk. Sein Ableger logiert in Frankfurt in der Untermainanlage 1, nah am Main, der Oper und der Europäischen Zentralbank - und fernab der Oppenheim-Zentralen in Köln und Luxemburg. Und wer ihn beobachtet, wie er mit wallendem, grau meliertem Haar in legerer Kluft durch das Weltwirtschaftsforum in Davos schlendert, könnte ihn für einen wohlhabenden Ex-Unternehmer halten, der jetzt den Mäzenaten gibt.
Doch anders als die übrigen Inhaber Oppenheims ist er stark vernetztes Mitglied von Corporate Germany: Aufsichtsrat bei Air Berlin, Präside beim Bankenverband. Pfundt ist ehrgeizig - und nach wie vor fasziniert von den Finanzmärkten, deren Gesetze er beim deutschen Ableger der Citigroup gelernt hat. Er ist stolz auf das, was er aufgebaut hat: ein Team aus 450 Investmentbankern, eine der größten Derivateplattformen der Republik, Marktführer im Mittelstand bei Fusionsberatung, Börsengängen, Aktienhandel.
Zuletzt hätte Pfundt es fast übertrieben mit dem Wertpapiergeschäft. Er hatte ein so großes Rad gedreht, dass 2008 in seiner Sparte ein Verlust von 120 Mio. Euro anfiel und die Bank ins Minus drückte. Schmerzlich, aber angesichts der Gewinne der Vorjahre eigentlich verschmerzbar, hätten die anderen Partner sich nicht bei Arcandor verzockt. Pfundt hat deswegen ein reines Gewissen.
Trotz der Verkaufsprobleme weiß er sich beim Interimseigner Deutschen Bank in guten Händen: Zu deren Chef Josef Ackermann besteht ein inniges Verhältnis.
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