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Merken   Drucken   12.02.2012, 20:34 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Manfred Gentz - Beschützer auf Zeit

Der Chefkontrolleur der Deutschen Börse hält zu Reto Francioni. Doch wie lange der Börsenchef bleiben kann, hängt davon ab, wie Gentz seine eigene Nachfolge regelt. von Reinhard Hönighaus  Frankfurt
Manfred Gentz will jetzt keine Personaldiskussion. Doch der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse  muss sich den Rücktrittsforderungen gegen Vorstandschef Reto Francioni am Montag stellen - ob er will oder nicht: Das Kontrollgremium des DAX -Konzerns kommt erstmals seit dem Platzen der Fusion mit dem Wall-Street-Betreiber NYSE Euronext zusammen. Und es wird wohl hoch hergehen.
Die Arbeitnehmerbank war von Anfang an gegen die Fusion, aus Furcht vor einem Bedeutungsverlust Frankfurts zugunsten von New York. Jetzt fordern Betriebsräte und Gewerkschafter personelle Konsequenzen. Sie meinen damit vor allem Francioni. Der 56-jährige Schweizer, der die Fusion mit New York nach einem ersten Versuch 2008 vor einem Jahr erneut eingefädelt hatte, investierte gut 80 Mio. Euro in das Projekt. Doch Francioni scheiterte Anfang Februar an den EU-Wettbewerbshütern.
Rückendeckung: Manfred Gentz hält die Kapitalseite im ...   Rückendeckung: Manfred Gentz hält die Kapitalseite im Deutsche-Börse-Aufsichtsrat hinter Unternehmenschef Francioni zusammen
Der gerade 70 Jahre alt gewordene Gentz, einst Finanzchef bei Daimler , hatte in seiner Zeit bei dem Autokonzern schon einmal eine transatlantische Elefantenhochzeit scheitern sehen, nämlich die mit Chrysler. Ungeachtet dieser schlechten Erfahrung unterstützte Gentz Francionis Plan für eine weltumspannende Megabörse, um der Macht der Banken im außerbörslichen Wertpapierhandel etwas entgegenzusetzen.
Und Gentz tat es so, wie es so die Art ist von Wirtschaftskapitänen der alten Schule: Der promovierte Jurist - Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, einst Chefunterhändler der deutschen Wirtschaft für die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern - zog weitgehend unbemerkt die Fäden. Er vermied öffentliche Auftritte zum Thema, traf sich aber hinter den Kulissen mit Aufsehern und Entscheidern.
Das alles nutzte nichts, und nun will Gentz die Schuld für das Scheitern auch nicht allein bei Francioni abladen. Unmittelbar nach dem Verbot des Zusammenschlusses durch die EU-Kommission stellte er sich demonstrativ hinter den Vorstandschef. "Es besteht zu grundlegenden Änderungen von Strategie, Struktur und Führung kein Anlass", ließ er mitteilen. "Vielmehr sind jetzt Ruhe und Kontinuität geboten." Damit hat Gentz den Ton für die zwölf Vertreter der Kapitalseite im 18-köpfigen Aufsichtsrat vorgegeben. Auch am Wochenende war aus dem Umfeld von Kontrolleuren der Kapitalseite nur Rückendeckung für Francioni zu vernehmen. Dass DWS-Fondsmanager Hennig Gebhardt, dessen Gesellschaft rund ein Prozent der Aktien der Deutschen Börse hält, ebenfalls einen personellen Neuanfang fordert, sei "nur eine Einzelmeinung", hieß es.
Francioni, dessen Vertrag Ende 2013 ausläuft, kann sich also sicher fühlen, solange Gentz den Aufsichtsrat lenkt. Doch der Chefkontrolleur hat angekündigt, dass er altersbedingt aufhören wird, nach der Hauptversammlung im Mai. Gentz' Nachfolger soll im März nominiert werden, wenn die Einladung zu dem Aktionärstreffen versandt wird. Vom neuen Chefkontrolleur wird wesentlich abhängen, ob Francioni die Rückendeckung der Anteilseigner behält, wenn sein Vertrag zur Verlängerung ansteht.
Bislang ist nicht bekannt, wie Gentz seine Nachfolge vorbereitet. Nur einen Hinweis hat er gegeben: Im Aufsichtsrat sitzt mit Birgit Bokel auf der Arbeitnehmerbank nur eine einzige Frau unter 17 Männern. Im Mai soll mindestens eine Frau auf Kapitalseite dazukommen. "Unternehmen, die derzeit nach neuen Aufsichtsräten suchen, interessieren sich fast ausschließlich für Frauen", sagte Gentz jüngst. "Auch auf den Empfehlungslisten der Headhunter sind Frauen längst in der Überzahl. Die Männer haben dort mitunter nur noch Alibifunktion." Sollte Gentz die Personaldiskussion also heute abbiegen können - in wenigen Wochen droht sie umso heftiger.
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  • Aus der FTD vom 13.02.2012
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