Rückendeckung: Manfred Gentz hält die Kapitalseite im Deutsche-Börse-Aufsichtsrat hinter Unternehmenschef Francioni zusammen
Der gerade 70 Jahre alt gewordene Gentz, einst Finanzchef bei
Daimler , hatte in seiner Zeit bei dem Autokonzern schon einmal eine transatlantische Elefantenhochzeit scheitern sehen, nämlich die mit Chrysler. Ungeachtet dieser schlechten Erfahrung unterstützte Gentz Francionis Plan für eine weltumspannende Megabörse, um der Macht der Banken im außerbörslichen Wertpapierhandel etwas entgegenzusetzen.
Und Gentz tat es so, wie es so die Art ist von Wirtschaftskapitänen der alten Schule: Der promovierte Jurist - Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, einst Chefunterhändler der deutschen Wirtschaft für die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern - zog weitgehend unbemerkt die Fäden. Er vermied öffentliche Auftritte zum Thema, traf sich aber hinter den Kulissen mit Aufsehern und Entscheidern.
Das alles nutzte nichts, und nun will Gentz die Schuld für das Scheitern auch nicht allein bei Francioni abladen. Unmittelbar nach dem Verbot des Zusammenschlusses durch die EU-Kommission stellte er sich demonstrativ hinter den Vorstandschef. "Es besteht zu grundlegenden Änderungen von Strategie, Struktur und Führung kein Anlass", ließ er mitteilen. "Vielmehr sind jetzt Ruhe und Kontinuität geboten." Damit hat Gentz den Ton für die zwölf Vertreter der Kapitalseite im 18-köpfigen Aufsichtsrat vorgegeben. Auch am Wochenende war aus dem Umfeld von Kontrolleuren der Kapitalseite nur Rückendeckung für Francioni zu vernehmen. Dass DWS-Fondsmanager Hennig Gebhardt, dessen Gesellschaft rund ein Prozent der Aktien der Deutschen Börse hält, ebenfalls einen personellen Neuanfang fordert, sei "nur eine Einzelmeinung", hieß es.