Vikram Akula glaubt an die Segnungen des Finanzkapitalismus. Zu brutalen Sätzen leiht er Indiens Ärmsten Geld. Jetzt geht der Chef des Mikrofinanzierers SKS an die Börse - und bringt sogar den Erfinder der Idee gegen sich auf. von Volker Müller
Vikram Akula verabscheut Armut und liebt den Kapitalismus. Einen Widerspruch mag er darin nicht erkennen. Entsprechend verständnislos steht der Gründer und Chef des größten indischen Mikrofinanzierers SKS der Kritik an seinen Börsenplänen gegenüber: Er bereichere sich an den Ärmsten der Armen und glorifiziere Wucherzinsen als Geschäftsmodell. Der Konzern gewährt jenen Kleinstkredite, die keinen Zugang zu Banken haben. In diesen Tagen geht er an die Börse. Es sind vor allem die Namen seiner Großinvestoren, die für Empörung sorgen: Goldman Sachs zählt dazu, JP Morgan und George Soros.
Vikram K. Akula
"Es ist kein Platz für große Profite und gigantische Börsengänge im Mikrofinanzsektor", zürnt etwa Muhammad Yunus, der Pionier des Mikrofinanzsystems, der dafür 2006 den Friedensnobelpreis erhielt. SKS sei ein "Kredithai" und betreibe Verrat an der Sache: Armen unbürokratisch, billig und risikolos Kapital für den Aufbau einer tragfähigen Existenz zu verschaffen.
Akula kontert, die normale Vergabe von Mikrokrediten leide an hohen Kosten und Kapitalmangel. Dem begegne man nicht mit Gutmenschentum, sondern mit den Regeln des Kapitalismus: billig Geld beschaffen, Synergien und Skaleneffekte nutzen, Effizienz steigern.
Die Armut seiner Heimat kennt der Unternehmer lediglich von Urlaubsreisen in seiner Kindheit. Akula ist in Indien geboren, seine Eltern wanderten in die USA aus, als er drei Jahre alt war. Doch diese frühen Eindrücke scheinen ihn tatsächlich stark beeinflusst zu haben. Bereits an der Universität von Chicago schrieb er seine Doktorarbeit über Mikrokredite. Zwischenzeitlich arbeitete er für McKinsey. SKS gründete Akula 1998 noch als ein Unternehmen ohne Profitabsicht. Das änderte sich erst 2005 mit dem Wandel zur Aktiengesellschaft.
Nach dem Verkauf von Anteilen im Frühjahr ist der 41-Jährige Multimillionär - und Buhmann. Akula lebt demonstrativ bescheiden, zieht die einheimische Kurta jedem Maßanzug vor. Er teile Yunus' Ideale und Ziele, sagt der stets eloquent und ruhig auftretende Akula. Nur: "Wer im großen Maßstab Kleinkredite an Millionen Menschen vergeben will, muss sich das Geld am Kapitalmarkt beschaffen. Der einzige Weg dahin ist nicht, profitabel zu sein, sondern extrem profitabel."
Bis zu 30 Prozent Kreditzinsen verlangt SKS von seinen fast sieben Millionen Schuldnern, den Kleinbäuerinnen, Frauenkooperativen oder Weberinnen. Indische Banken verlangen meist nicht einmal die Hälfte. Akula ficht das nicht an: "Verglichen mit den Kosten eines Bankkredits, dem Transportaufwand zur nächsten Filiale und den obligatorischen Schmiergeldern sind unsere Kredite wahrlich billig."
Akula hat auch Fürsprecher, die der Meinung sind, er bringe mit seinen Geschäften Indien voran. Zumindest für Akula ist es ein Fortschritt. Der SKS-Börsengang soll bis zu 350 Mio. Dollar erlösen, 44 Prozent davon gehen an die bisherigen Eigentümer.
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