Die bereits stark gefallenen Werte der Beteiligungsportfolios setzt dies noch stärker als bislang unter Druck. "Wir erwarten, dass in Nordamerika und Europa während der kommenden 18 bis 24 Monate Private-Equity-Fondsinvestments im Volumen von 130 Mrd. $ bis 140 Mrd. $ auf den Markt kommen", sagt David de Weese, Partner des Private-Equity-Investors Paul Capital.
Einige Branchenvertreter erwarten sogar ein noch höheres Verkaufsvolumen. De Weese zufolge beläuft sich das gesamte in Private Equity investierte Kapital weltweit auf schätzungsweise 1200 Mrd. $ bis 1500 Mrd. $. Viele Pensionsfonds, Stiftungen, Banken und Versicherungsunternehmen erwägen derzeit, ihre Private-Equity-Portfolios zu verkaufen.
Viele dieser Anleger müssen nach dem fünfjährigen Boom der Branche jedoch mit kräftigen Verlusten rechnen. Zu den Werteinbußen in den Portfolios kommt hinzu, dass neue Rechnungslegungsregeln von den Private-Equity-Fonds verlangen, ihre Investitionen nach der Mark-to-Market-Methode zum aktuellen Zeitwert auszuweisen. Dies könnte bereits zum Jahresende zu weiteren Verlusten führen.
Auch bei der Veräußerung ihrer Private-Equity-Fondsanteile nehmen die Profianleger immer höhere Verluste in Kauf. Nach einer Studie der Investmentbank Cogent Partners wurden die Portfolios in den vergangenen Monaten im Schnitt zur Hälfte ihres Nennwerts verkauft - also nur 50 Cent von einem Dollar. Im ersten Halbjahr realisierten die Verkäufer immerhin noch 84 Cent je Dollar Nominalwert. Im Vorjahr erzielten sie noch Gewinne.
Pensionsfonds und Stiftungen müssen Private-Equity-Fondsanteile verkaufen, um Auszahlungen an Begünstigte decken zu können, oder ihre Anlageportfolios neu ordnen. Viele Pensionsfonds, die in den vergangenen Jahren im großen Stil in Private Equity investiert haben, müssen diesen Anteil am Portfolio zurückfahren, weil er mit der Talfahrt an den Aktienmärkten überproportional hoch ist.
"Die Anleger erhalten keine Ausschüttungen (von Private-Equity-Fonds), sondern Kapitalabrufe", sagte de Weese, dessen Unternehmen der größte von rund einem Dutzend Managern im sogenannten Sekundärmarkt für Private-Equity-Anlagen ist. Derzeit führt Paul Capital laut de Weese Gespräche mit 55 bis 60 Verkäufern. "2005/2006 betrug das Verhältnis von Kapitalabrufen zu Ausschüttungen eins zu eins", so de Weese. Heute liege es bei fünf oder zehn zu eins. Der Sekundärmarkt dürfte künftig an Bedeutung gewinnen, da er das Überangebot absorbiert. Paul Capital kauft Private-Equity-Portfolios von Anlegern wie Stiftungen auf, hält sie bis zum Ende der Laufzeit und nimmt dann den Gewinn mit. Im Allgemeinen kauft Paul Capital Portfolios, die noch zwei Jahre bis zur ihrer Fälligkeit haben. Die meisten Private-Equity-Fonds haben eine Laufzeit zwischen fünf und sieben Jahren.
Zu den potenziellen Verkäufern zählen auch Versicherungsunternehmen. "Der US-Konzern AIG hat 30 Mrd. $ an Private-Equity-Anteilen in der Bilanz. Ein erheblicher Teil davon wird auf den Markt kommen", erwartet de Weese. Die Harvard-Stiftung, die traditionell einen großen Anteil ihres Vermögens in Private Equity investiert, hat bereits einen Teil ihrer Anteile auf den Markt gebracht. Ähnliches prüft auch die Universität von Virginia, deren Stiftung 4,2 Mrd. $ umfasst.