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Merken   Drucken   05.01.2012, 18:17 Schriftgröße: AAA

Kreditgeschäft: Regulierung verteuert Darlehen

Banken müssen sich seit Jahresbeginn stärker gegen Risiken absichern. Dabei müssen sie auf kurzfristige Einlagen weniger Zinsen zahlen als auf langfristige. Diese Strategie ist jedoch riskant – und für Kunden könnten langfristige Kredite teurer werden.
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Banken müssen sich seit Jahresbeginn stärker gegen Risiken absichern. Dabei müssen sie auf kurzfristige Einlagen weniger Zinsen zahlen als auf langfristige. Diese Strategie ist jedoch riskant – und für Kunden könnten langfristige Kredite teurer werden. von Karsten Röbisch, Frankfurt
Langfristige Kredite dürften nach Einschätzung von Experten künftig teurer werden, unabhängig von der allgemeinen Zinsentwicklung. Grund ist, dass die Finanzaufsicht BaFin zum Jahresbeginn die Kriterien für ihren sogenannten Zinsschock verschärft hat und Banken entsprechende Risiken stärker absichern müssen.
Riskante Strategie
Die Institute müssen nun in einer Art Stresstest die Bilanzfolgen einer plötzlichen Änderung des Leitzinses von zwei Prozentpunkten nach oben oder unten durchrechnen. Bislang lag die Grenze bei 1,3 Punkten nach oben sowie 1,9 Punkten nach unten. Neue Risiken ergeben sich so für alle Banken, die langfristige Kredite über kurzfristige Einlagen refinanzieren. Diese sogenannte Fristentransformation bringt ihnen zusätzliche Erträge, da die Zinsen mit abnehmender Laufzeit sinken, Banken also auf kurzfristige Einlagen weniger Zinsen zahlen müssen als auf langfristige.
Diese Strategie ist aber riskant. So drohen enorme Verluste, wenn die kurzfristigen Zinsen schnell steigen oder gar über den langfristigen liegen. Seit 1970 gab es in Deutschland immerhin fünf solcher Phasen, von denen die längste 34 Monate dauerte. Um für diesen Fall den Kollaps einer Bank zu vermeiden, besteht die BaFin auf einer stärkeren Absicherung dieser sogenannten Zinsänderungsrisiken.
Das verursacht Kosten für die Institute. "Direkte Auswirkungen sehen wir auf der Ertragsseite der Banken", sagte Daniel Kapffer, Partner und Experte für Risikomanagement bei Accenture. Die fehlenden Erträge würden sie jedoch hereinholen, indem sie beispielsweise einen Teil der Absicherungskosten an den Kunden weitergeben. Das bedeutet, dass vor allem langfristige Kredite teurer werden.
Sparkassen betroffen
Bestehen Banken den BaFin-Stresstest nicht, kann ihnen die Aufsicht höhere Eigenkapitalanforderungen aufzwingen. Der maximale Wertverlust, der sich aus dem Zinsstresstest für die Institute ergibt, darf nicht höher sein als 20 Prozent ihrer Eigenmittel. Ein höheres Zinsrisiko allein löst aber keine Sanktionen aus, sofern die übrigen Risiken der Bank gering sind.
Die BaFin erwartet, dass die Zahl auffälliger Institute steigt, und rechnet mit Auswirkungen auf das Kreditgeschäft. Gerade bei niedrigen Marktrenditen wie derzeit nutzen Banken die Strategie der Fristentransformation, besonders Sparkassen und Volksbanken. Der Sparkassendachverband DSGV beziffert den Anteil der Erträge daraus am gesamten Zinsüberschuss zwar nur auf 15 Prozent. Experten halten den Wert jedoch für zu niedrig.
  • FTD.de, 05.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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