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Merken   Drucken   22.06.2009, 22:14 Schriftgröße: AAA

Kreditvergabe: Banken stehen Schlange vor der EZB  

Die Europäische Zentralbank steht kurz davor, der Euro-Wirtschaft einen gewaltigen monetären Schub zu verpassen. Bevor die Währungshüter den Geschäftsbanken Gelder erstmals auch über eine Laufzeit von einem Jahr leihen wollen, rechnen Experten damit, dass dabei mehrere Hundert Milliarden Euro zusammenkommen. von Ralph Atkins und André Kühnlenz (Frankfurt)
Bei diesen sogenannten Repo-Geschäften hinterlegen die Geschäftsbanken Wertpapiere als Sicherheiten bei der EZB, die daraufhin an die Institute Geld verleiht. Damit würde die EZB ihre Bemühungen erheblich verstärken, die Kreditbedingungen der Banken auch untereinander zu lockern. Ein Rekordvolumen dürfte zustande kommen, weil sich die Banken derzeit darauf einstellen, dass die Währungshüter den Leitzins nicht mehr senken werden - und sie sich auch zwei Jahre nach Krisenbeginn noch immer so sehr misstrauen, dass sie sich kurzfristigen kein Geld leihen.
Einige Ökonomen rechnen damit, dass sich die Institute am Mittwoch deutlich mehr leihen werden als die 348,6 Mrd. Euro, die sie im Dezember 2007 bekamen. Die Summe markierte schon damals einen Rekordwert. Das Geschäft könnte in "aller Heimlichkeit" die große finale Lockerung der Geldpolitik sein", sagte Erik Nielsen, Ökonom bei Goldman Sachs.
Die Geschäftsbanken vermuten, dass sie für Monate nicht mehr so gute Bedingungen für die Geldleihe bei der EZB vorfinden werden. Sie zahlen bei diesen Geschäften den Hauptrefinanzierungssatz - den Leitzins. Mit 1,0 Prozent liegt er auf Rekordtief.
Bei der bisherigen kurzfristigen Kreditvergabe durch die EZB hielten sich viele Banken vermutlich stärker zurück, weil sie auf weiter sinkende Zinsen setzten. Die Währungshüter haben sich zudem die Tür offen gelassen, künftig bei der einjährigen Kreditvergabe höhere Zinsen als den Leitzins zu verlangen.
Die EZB hatte vor einem Monat mitgeteilt, im Juni erstmals Geld für zwölf Monate an die Banken zu vergeben, um damit die Liquidität im Bankensektor zu stärken. Seit Beginn der Finanzkrise Mitte 2007 ist dies der bevorzugte Weg der Notenbanker im Euro-Raum, um den Banken zu helfen.
Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 hatte die EZB angekündigt, jede Nachfrage der Geldinstitute zu bedienen - damals noch mit sechs Monaten Maximallaufzeit.
Die Erwartungen der Geschäftsbanken wurden am Montag durch Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny angeheizt, der sich zur möglichen EZB-Zinssenkung äußerte. Nowotny, der auch Mitglied im EZB-Rat ist, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Wenn die Wirtschaft sich so entwickelt, wie wir es erwarten, dürfte die Aussicht in diesem Jahr nicht bestehen."
Zumindest in Deutschland zeichnet sich derzeit eine Stabilisierung in der Industrie ab. Das ergab am Montag der Ifo-Geschäftsklimaindex. Analysten erwarten zudem, dass die Geldmarktzinsen für Kredite bis zu einem Jahr stärker sinken sollten.
  • Aus der FTD vom 23.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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