Das Werben der deutschen Landesbanken um Firmenkunden macht sich erstmals auch in Zahlen bemerkbar: Nach den neuesten Daten der Bundesbank zum inländischen Bankgewerbe hat das Kreditgeschäft der Landesbanken im Frühjahr angezogen. Demnach vergaben die Institute erstmals seit Mitte 2009 innerhalb eines Jahres wieder mehr Darlehen an Firmen.
Für die Sorgenkinder der deutschen Kreditwirtschaft sind das gute Nachrichten. Immerhin mussten in der Finanzkrise vier Landesbanken mit Steuergeld gerettet werden. Seither schrumpfen die Häuser ihre Bilanzen auch dadurch, dass sie die Kreditvergabe einschränken. Jetzt gehen sie auf ihre Kunden zu. "Die Höhe des echten Kreditgeschäfts mit Kunden ist maßgeblich für die Bewertung des Geschäftsmodells und dessen Tragfähigkeit", sagt Expertin Katharina Barten von der Ratingagentur Moody's.
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Laut Bundesbank-Daten stieg das Kreditvolumen an Unternehmen und Selbstständige außerhalb der Finanzbranche in den zwölf Monaten bis Juni netto um 513 Mio. Euro. Zum Vergleich: In den zwölf Monaten bis Juni 2011 hatten die Landesbanken noch 14 Mrd. Euro weniger Darlehen ausgereicht. Einen Zuwachs auf Jahressicht hatte es letztmals Ende Juni 2009 gegeben. Schon seit Mitte 2011 zeichnet sich ab, dass der Kreditabbau bei Landesbanken langsam zum Ende kommt, wie sich aus den Bundesbank-Zahlen ablesen lässt.
Einfach ist der Ausbau für die Landesbanken freilich nicht. Wie viele andere Institute führen sie ihr Geschäft seit der Krise zunehmend fremdbestimmt. Die staatlich geretteten Landesbanken unterliegen Auflagen der Wettbewerbsbehörde in Brüssel und schrumpfen zwangsweise. Die übrigen müssen sich ebenso zurückhalten, da die Eigenkapitalanforderungen der Aufseher ständig steigen.
In den vergangenen drei Jahren hatten die Landesbanken im Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen spürbar Marktanteile an andere Bankengruppen verloren. Kamen die öffentlich-rechtlichen Institute Mitte 2009 noch auf gut 18 Prozent, hat sich ihr Anteil zuletzt bei 15,8 Prozent stabilisiert. Auch Hypothekeninstitute und große Häuser wie Deutsche Bank, Commerzbank oder Unicredit büßten Marktanteile ein.
In diese Lücke stießen vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken. In den zwölf Monaten bis Juni 2012 weiteten sie ihr Kreditvolumen netto um jeweils 9,6 Mrd. Euro aus. Auch Regionalbanken vergaben mehr Darlehen, die Nettozuflüsse lagen bei 8,3 Mrd. Euro. Insgesamt waren es bei allen Banken 18,1 Mrd. Euro oder ein Plus von 1,6 Prozent.
Ungewiss ist, ob die Banken auch weiterhin mehr Firmenkredite vergeben können - die Skepsis gilt vor allem für Landesbanken. "Da sich mit der WestLB nun eine Landesbank verabschiedet hat, wird das Gesamtgeschäft der Landesbanken wohl auch deswegen etwas geringer ausfallen", so Barten. Zudem fragen deutsche Firmen weiterhin nur schleppend neue Darlehen nach. Viele finanzieren sich selbst, auch über den Verkauf von Anleihen. Und sollte sich die Wirtschaft weiter abkühlen, werden weniger Investitionskredite nachgefragt - von einer Kreditklemme also keine Spur.