Kriselnde Bank of America:Wie ein Blogger die Banken-Kommunikation verändert
Das Internet zwingt Geldinstituten eine neue Krisenkommunikation auf: Die Bank of America sieht sich genötigt, Spekulationen von Henry Blodget zurückzuweisen. Dessen Name sorgt an der Wall Street stets für Nervosität. von Kim Bode, New York
Vor einem, der bereits einen eigenen Begriff mit seinem Namen geprägt hat, sollte man sich in Acht nehmen. Das hat sich wohl auch die Bank of America gedacht, die am Mittwoch vehement Spekulationen des Bloggers Henry Blodget zurückwies, die Bank brauche womöglich frisches Kapital - bis zu 200 Mrd. Dollar.
"To blogdet" - der Begriff steht an der Wall Street dafür, dass vermeintlich übertriebene Äußerungen von Analysten sich in selbst erfüllende Prophezeiungen verwandeln. Also sah sich die Bank of America zum Handeln gezwungen. "Einfach falsch", empörte sie sich. Blodgets Rasereien seien unberechtigt. Dies habe ihm bereits die US-Börsenaufsicht SEC nach dem Platzen der Internetblase vorgeworfen. Damals, als sie den früheren Staranalysten der US-Bank Merrill Lynch aus der Branche verbannte, weil er in internen E-Mails Aktien als "Piece of shit" bezeichnete, die er in Studien anpries.
Henry Blodget, ehemaliger Analyst bei Merrill Lynch
Die Nerven liegen blank. Seit Monaten fällt die Aktie der Bank of America. Anleger sind besorgt - und lassen sich von Gerüchten irritieren. Und davon gibt es reichlich. Von Kapitalerhöhungen ist die Rede, vom Rücktritt von Bankchef Brian Moynihan und sogar von Notfusionen. Die Spekulationen überschlagen sich förmlich angesichts der rasend schnellen Verbreitung über das Internet durch Kurznachrichtendienste wie Twitter oder Blogs.
Das Geldhaus ächzt unter den Altlasten aus dem Kauf der Hypothekenbank Countrywide Financial und muss immer mehr Geld für Vergleiche und Rückzahlungen zurücklegen. Was da noch alles kommen könnte, fragen sich Investoren und ziehen sich zurück. Das bereitet den Boden für weitere Gerüchte - ein Teufelskreis. "An dem Punkt, an dem Marktgerüchte so einen Schaden anrichten, muss man einfach was machen", sagt der Bankenanalyst Bert Ely. Abwinken mit den Worten "Marktgerüchte kommentieren wir nicht" gehe da nicht mehr. "Sie müssten ihre Truppen mobilisieren, um ihre Moral aufrechtzuerhalten", sagt Ely.
So tut es die Bank of America. "Einige Blogs spekulieren über Fusionsgerüchte mit JP Morgan Chase, welche haltlos sind und nicht einmal praktischen Sinn ergeben", schrieb sie in einer internen Mitteilung an Mitarbeiter. Der Blog 24/7 Wall St. hatte zuvor vermeldet, die vermeintliche Übernahme solle binnen einer Woche eingetütet werden, inklusive 100 Mrd. Dollar Finanzhilfe der Regierung.
Ähnlich wild klang Blodgets Blog. Vielleicht wollte er seinem Namen alle Ehre machen. Vielleicht ist er aber auch nur gekränkt - die Bank of America hatte sich 2008 das einst stolze Haus Merrill Lynch einverleibt.
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