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Merken   Drucken   08.11.2012, 20:18 Schriftgröße: AAA

Kriselnde Landesbank: HSH buhlt um private Investoren

Die Landesbank will mithilfe neuer Geldgeber ihre Eigenkapitalquote aufhübschen - mit einer ungewöhnlichen Konstruktion. Damit würde zwar ein Beihilfeverfahren vermieden, aber potentielle Investoren müssten sich mit einer überschaubaren Verzinsung begnügen.
© Bild: 2012 DPA/Christian Charisius
Exklusiv Die Landesbank will mithilfe neuer Geldgeber ihre Eigenkapitalquote aufhübschen - mit einer ungewöhnlichen Konstruktion. Damit würde zwar ein Beihilfeverfahren vermieden, aber potentielle Investoren müssten sich mit einer überschaubaren Verzinsung begnügen.
von Frankfurt

Die kriselnde HSH Nordbank streckt ihre Fühler wieder nach privatem Kapital aus. Nach FTD-Informationen will das Institut Investoren ansprechen, die bei der Landesbank mit ins Risiko gehen und damit die Kapitalquoten verbessern sollen.

Die Investoren sollen sich nicht zwingend am Eigenkapital der HSH, sondern an einer bestehenden Ausfallgarantie beteiligen. In deren Rahmen bürgen Hamburg und Schleswig-Holstein für Bilanzausfälle bis zu 7 Mrd. Euro. Die Länder könnten die Garantie zwar auf 10 Mrd. Euro erhöhen. Damit würden sie aber die EU-Kommission auf den Plan rufen. Übernehmen Private die Bürgschaft von 3 Mrd. Euro, wäre das nicht der Fall.

Gelingt das schwierige Vorhaben, könnte die HSH ihre Eigenkapitalquoten aufhübschen, ohne ein neues Beihilfeverfahren zu fürchten. Die Landesbank leidet wie keine andere unter den schwachen Schiffsmärkten und ist eines der größten Sorgenkinder der deutschen Bankenlandschaft. Zwar weist sie nach wie vor eine harte Kernkapitalquote über der von Investoren geforderten neun Prozent auf.

Angesichts der Ausfälle im Kreditportfolio will sie ihre Kapitalquoten aber weiter stärken. Im Gespräch war auch, dass die Länder, die 85 Prozent der Bank halten, ihre Garantie auf 10 Mrd. Euro erhöhen. Wegen eines Selbstbehalts der Bank von 3,2 Mrd. Euro handelt es sich um eine sogenannte Zweitverlustgarantie. Die Garantie gilt nicht für die gesamte Bilanz, aber für Kredite und festverzinsliche Wertpapiere verschiedener Währungen von über 100 Mrd. Euro.

Ein Privatinvestor müsste jedoch hohe Anforderungen erfüllen - und sich wohl mit einer überschaubaren Verzinsung begnügen. Da die Länder eine gute Bonität haben, muss die Bank die garantierten Kredite und Wertpapiere nicht mit Eigenkapital unterlegen. Damit die Finanzaufsicht diese Kapitalentlastung anerkennt, müsste der Bürge daher entweder über eine Topbonität verfügen oder das Geld über die vereinbarte Laufzeit, also mehrere Jahre, auf einem Konto hinterlegen. Infrage kämen wohl nur reiche Pensions- oder Staatsfonds.

Diese bekämen von der Bank eine Avalgebühr. Allerdings müsste sie laut Insidern niedriger ausfallen als jene vier Prozent, die die Länder für die Garantiesumme bekommen, da bei ihnen Ausfälle früher durchschlagen - ihr Risiko also größer ist. Ein Investor könnte seine Rendite daher nur erhöhen, wenn er einen Teil der Summe günstig kreditfinanzieren kann. Eine Buchprüfung könnte sich bis zu sechs Monate hinziehen.

Dass ein Privatinvestor tatsächlich für Garantieausfälle zahlen müsste, ist wenig wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich, wie die Lage der Bank zeigt. Erst in dieser Woche musste die HSH eingestehen, dass sie ab 2019 wohl auf die Zweitverlustgarantie der Länder zurückgreifen muss.

In Hamburg und Kiel steht man privatem Kapital aufgeschlossen gegenüber. "Wir würden uns Gesprächen dazu nicht verweigern", sagte ein Sprecher der Hamburger Finanzbehörde. Aus Kiel hieß es, die Bank solle alle Möglichkeiten zur Stabilisierung prüfen, dazu gehöre auch das Engagement von Privatinvestoren.

Eine Aktienbeteiligung durch Private wäre aber unwahrscheinlich. Sofern dafür angesichts der Risiken überhaupt Interesse besteht, könnte dies die mitbeteiligten Sparkassen dazu veranlassen, die HSH aus ihrem Haftungsverbund zu werfen, was die Refinanzierung erschweren würde. Auch das Rating würde je nach Art des Investors wohl darunter leiden.

  • Aus der FTD vom 09.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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