Die Hypo Real Estate hat mit ihrer operativen Kernbank im ersten Halbjahr nur einen Mini-Gewinn erwirtschaftet und kommt so ihrem Ziel einer Reprivatisierung bislang kaum näher. Im zweiten Quartal ist der Gewinn vor Steuern der PBB Deutsche Pfandbriefbank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte eingebrochen - von 68 Mio. auf 30 Mio. Euro. Obwohl der Halbjahresgewinn der PBB mit 51 Mio. Euro bescheiden ausfiel, hält die Bank an ihrer Prognose eines Vorsteuergewinns von 100 Mio. bis 140 Mio. Euro im Gesamtjahr 2012 fest. Das wären aber selbst im günstigsten Fall immer noch gut 25 Prozent weniger als 2011.
Das alles ist kein gutes Omen für die ab 2013 geplante Reprivatisierung der HRE, die im Oktober 2009 nach der Rettung durch den Stabilisierungsfonds Soffin vollständig in den Besitz des Bundes gelangte. Konzernchefin Manuela Better will daher im zweiten Halbjahr Dampf bei der Kreditvergabe machen. Das Neugeschäft, das im ersten Halbjahr einschließlich Prolongationen von Krediten nur 1,5 Mrd. Euro erreichte, soll im zweiten Halbjahr um satte 6,5 Mrd. auf insgesamt 8 Mrd. Euro gesteigert werden.
"Im zweiten Halbjahr wollen wir beim Neugeschäft deutlich zulegen", sagte Better. Durch die Platzierung von Schuldtiteln an den Refinanzierungsmärkten verfüge die Bank über ausreichende Mittel, um auch bei einer deutlichen Steigerung des Neugeschäfts komfortabel mit Liquidität ausgestattet zu sein. Optimistisch stimme das im Juli akquirierte Neugeschäft, das mit 600 Mio. Euro nur knapp unter dem Volumen des ganzen zweiten Quartals gelegen habe.
Allein aus ihren Geschäften am gewerblichen Immobilienmarkt und der öffentlichen Investitionsfinanzierung wird die HRE nach Einschätzung von Experten allerdings kaum in der Lage sein, die Kapitalrenditen zu erzielen, die potenzielle Investoren sehen wollen. Deshalb setzt die Bank auf einen Kniff, der ihre Bilanzrelationen und Ertragskennziffern so verbessert, dass das Geldinstitut für Käufer interessant wird.
Derzeit besorgt die Hypo Real Estate noch umfangreiche Dienste einschließlich Bilanzerstellung für die von ihr abgespaltene Bad Bank FMS Wertmanagement, in die im Herbst 2010 faule Kredite und andere Aktivposten im Nennwert von rund 170 Mrd. Euro zur Abwicklung ausgelagert wurden. Nach einer Auflage der EU-Kommission müssen die Hypo Real Estate und die Bad Bank spätestens bis September 2013 vollständig voneinander getrennt werden.
Zu diesem Zweck hat die FMS Wertmanagement im April 2012 eine Servicegesellschaft gegründet, die bis zu 500 ehemalige Hypo-Real-Estate-Beschäftigte aufnehmen soll. Durch den Abgang von mehr als einem Drittel der Mitarbeiter und einer entsprechenden Absenkung der Kostenbasis würden sich die Effizienz-, Kapital- und Ergebnisquoten der Hypo Real Estate dramatisch verbessern.
Damit wäre eine wichtige Voraussetzung für einen möglichen Verkauf geschaffen, falls es für Spezialfinanzierer wie die PBB Deutsche Pfandbriefbank bis dahin wieder einen Markt geben sollte. Bislang gelten Immobilienbanken insbesondere wegen ihrer ausschließlich vom Kapitalmarkt abhängigen Refinanzierung als kaum verkäuflich. Das markanteste Beispiel ist der Immobilienfinanzierer Westimmo der ehemaligen WestLB, der in die Abwicklung gegeben werden musste, weil er trotz positiver Ertragszahlen keinen Käufer fand.
Der Hypo-Real-Estate-Konzern war der größte Rettungsfall der deutschen Kreditwirtschaft nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008. Im Herbst 2009 wurde die Bank verstaatlicht und mit 10 Mrd. Euro rekapitalisiert. Zudem musste sie mit Liquiditätsgarantien von bis zu 140 Mrd. Euro abgesichert werden. Für Verluste der Bad Bank steht letztlich der Steuerzahler gerade, da der Bund uneingeschränkt für die FMS Wertmanagement haftet.