Ikea ließ sich von den Renditeversprechen des spekulativen Anlageproduktes blenden
Nach Angaben ehemaliger Phoenix-Mitarbeiter waren unter anderen der Spielzeughersteller Lego und die Pensionskasse des Möbelhauses Ikea mit jeweils mehr als 5 Mio. Euro im "Phoenix Managed Account" investiert, um mit Warentermingeschäften Geld zu machen.
"Phoenix hatte in Dänemark große Vertriebserfolge, besonders in den letzten zwei Jahren", sagte Otto Lakies, Forensiker beim Phoenix-Insolvenzverwalter Schultze & Braun, der FTD. Durch ihre guten Kontakte zu institutionellen Investoren im nordischen Raum habe die dänische Vertriebstochter Phoenix Fondsmaeglerselskab in Kopenhagen insgesamt 130 Mio. Euro in das Schneeballsystem lenken können, darunter auch viel Geld von vermögenden Privatpersonen.
Betrug blieb unbemerkt
Der Fall zeigt, dass sich nicht nur Tausende Kleinsparer, sondern auch professionelle Anleger von den Renditeversprechen des spekulativen Anlageproduktes blenden ließen. Die Finanzaufsicht BaFin hatte Phoenix im vergangenen März geschlossen, nachdem aufgeflogen war, dass die Traumrenditen des "Managed Account" frei erfunden waren. Der Betrug war jahrelang unbemerkt geblieben.
Chef der dänischen Vertriebsgesellschaft war Claus Schäfer, nach Angaben ehemaliger Mitarbeiter ein langjähriger Gefährte des Phoenix-Patriarchen Dieter Breitkreuz. "Wir haben aber keine Erkenntnisse, dass Herr Schäfer eingeweiht war in den Betrug", sagte Anwalt Lakies. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte untersuche die Vorgänge in Dänemark. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nicht gegen Schäfer. "Wir konzentrieren uns auf die Leute an der Phoenix-Spitze", sagte eine Sprecherin. Schäfer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Bei der stillen Liquidation der dänischen Vertriebsgesellschaft seien 5 Mio. bis 7 Mio. Euro zu holen, sagte Lakies. "Es könnte auf ein separates Insolvenzverfahren in Dänemark hinauslaufen, bei dem zunächst die dänischen Investoren bedient werden." Danach können die Geprellten ihre verbliebenen Forderungen auch im deutschen Insolvenzverfahren geltend machen. Insgesamt sind 30.000 Anleger vom Phoenix-Skandal betroffen. Die Insolvenzmasse beträgt gut 230 Mio. Euro und soll bis Ende 2006 verteilt sein.