21.10.2009, 15:48
Milliardenbetrug: Die Mär vom Einzeltäter Madoff
Der zu 150 Jahren Haft verurteilte Ex-Broker nahm den Betrug bisher auf seine Kappe - doch die Version bekommt Risse. In einer Klageschrift tauchen die Namen KPMG und JP Morgan Chase auf. War der spektakuläre 65-Mrd.-$-Coup ein weit verzweigtes System?
von Adalbert Siniawski, Hamburg
Der milliardenschwere Anlegerbetrug an der Wall Street war das Werk eines Einzelnen - das behauptete zumindest der zu 150 Jahren Haft verurteilte Ex-Broker
Bernard Madoff selbst. Bei seiner Festnahme Mitte Dezember vergangenen Jahres hatte Madoff beteuert, es sei alles seine Schuld: Er habe Geld von institutionellen Anlegern verloren und Anleger mit Mitteln ausbezahlt, die es "nicht gab".
Madoffs Bruder und Söhne, die in seiner Firma arbeiteten, wussten nach eigenen Angaben nichts von dem Betrug. Die Nachkommen verständigten im Dezember vergangenen Jahres die Polizei, nachdem ihnen der Vater den Riesenschwindel gestanden hatte. "Es gibt dafür keine harmlose Erklärung", sagte er.
Doch die These des Einzeltäters erscheint immer unglaubwürdiger: Zweifel nährt eine Anklageschrift der Anwaltskanzlei Cotchett, Pitre and McCarthy aus Kalifornien. Sie vertritt betrogene Anleger, welche die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sowie die Geldhäuser
JP Morgan Chase und Bank of New York Mellon verklagen wollen. Die drei Unternehmen sollen in den Betrugsskandal verwickelt sein.
Geldwäsche im Umfang von 6 Mrd. $ Der Kanzlei zufolge basiert die Anzeige auf einem Interview mit dem inhaftierten Madoff selbst, den die Anwälte im Juli gesprochen haben sollen. Auf ihrer monatelangen Recherche hätten die zudem ehemalige Angestellte Madoffs befragt, teilten die Anwälte mit. Auf Grundlage der Aussagen reichte Cotchett, Pitre and McCarthy Klage in einem New Yorker Gericht gegen die Unternehmen ein.
Der Klageschrift zufolge soll JP Morgan Chase dem Wall-Street-Betrüger geholfen haben, Anlegergelder von fast sechs Mrd. $ zu waschen. KPMG werde vorgeworfen, das betrügerische Verhalten in Madoffs britischer Firma nicht auffliegen gelassen zu haben. KPMG hatte die Bücher von Madoff Securities International Ltd. geprüft.
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FTD.de, 21.10.2009
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