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Merken   Drucken   19.09.2008, 08:45 Schriftgröße: AAA

Millionenrisiken: Lehman belastet Landesbanken  

Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers bringt die deutschen Landesbanken in neue Schwierigkeiten. Finanzkreisen zufolge könnte etwa die BayernLB durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag verlieren. von Meike Schreiber, Yasmin Osman und Nina Luttmer (Frankfurt)
Dies sei der maximal denkbare Ausfall, es müsse aber nicht zu einer tatsächlichen Belastung in dieser Größenordnung kommen, hieß es. Die BayernLB wollte sich nicht zu den Informationen äußern.
Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) blieb zwar unklar, wie hoch die Belastung sein könnte; die größte deutsche Landesbank zog aber wegen der Verschärfung der Krise ihre Gewinnprognose für dieses Jahr zurück. Noch im August hatte die LBBW für 2008 einen Überschuss von rund 300 Mio. Euro angepeilt.
Auch Sparkassenpräsident Heinrich Haasis  warnte am Donnerstag im Deutschlandfunk vor weiteren Belastungen für die öffentlich-rechtlichen Institute. "Alle Banken, die auf den internationalen Finanzmärkten tätig sind, sind in unterschiedlicher Form betroffen, das gilt auch für Landesbanken", sagte Haasis. Lehman Brothers hatte Anfang der Woche Insolvenz angemeldet.
Auch die HSH Nordbank hat laut einem Sprecher Geschäftsbeziehungen zu Lehman Brothers, nannte aber keine Einzelheiten. Die Landesbank Hessen-Thüringen sagte, ihr Engagement halte sich im überschaubaren Rahmen. Die Nord/LB teilte wie zu Beginn der Woche die WestLB mit, sie sei nur sehr marginal betroffen.
Ein Feld, aus dem einigen Häusern noch Kosten entstehen könnte, sind spezielle Anleihen und Privatplatzierungen, die die Institute über Lehman Brothers verkauft hatten. Das Besondere an den strukturierten Anleihen ist, dass Anleger damit auf bestimmte Trends an den Zins-, Aktien- oder Währungsmärkten wetten können. Diese Marktrisiken sichern die Emittenten meist durch ihren Vertriebspartner, in dem Fall Lehman, ab. Zu den Top-Ten-Kunden von Lehman gehörten dem Datendienstleister MTN-I zufolge die KfW mit 2,5 Mrd. $ an Bonds, die HSH Nordbank (1,8 Mrd. $) und die LBBW (1,1 Mrd. $). Die BayernLB war ein kleinerer Kunde.
Neue Absicherungspartner gesucht
Durch die Pleite verloren die Institute den Versicherungsschutz gegen die Marktrisiken. Laut MTN-I müssen sie nun nach neuen Absicherungspartnern suchen. Sonst müssten sie den Anlegern zwischen 8 und 20 Prozent Zinsen zahlen - aufgrund der Lehman-Absicherung waren es bisher rund 4,0 Prozent. Die Kosten für solche Absicherungsgeschäfte sind zuletzt gestiegen. Der Branchendienst IPE berichtete, die Kosten für solche Swap-Geschäfte hätten sich um 20 Basispunkte erhöht.
Dennoch erklärten LBBW, HSH Nordbank und BayernLB, ihr Risiko aus diesen Absicherungsgeschäften sei überschaubar. "Diese Positionen wurden fast alle durch andere Hedge-Partner ersetzt, wie das überall am Markt geschehen ist", sagte ein LBBW-Sprecher. Die entstandenen Kosten würden zurzeit noch aufgearbeitet, seien aber nicht substanziell.
Auch die HSH Nordbank hält ihre Risiken in diesem Bereich für überschaubar. Ein Sprecher der Bank sagte, alle offenen Positionen seien mit neuen Partnern abgesichert worden. Die Kosten dafür seien nur unwesentlich höher. Besonders viel Glück hat die BayernLB: Sie erklärte, ihr sei daraus gar kein Schaden entstanden. Man habe die Zusatzkosten mit einer bestehenden Forderung von Lehman verrechnen können.
  • Aus der FTD vom 19.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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