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Merken   Drucken   09.08.2012, 08:56 Schriftgröße: AAA

Misere bei Knight Capital: Pannenbroker kaufte versehentlich Aktien für Milliarden

Das Softwareproblem des Pannenbrokers Knight Capital führte einem Zeitungsbericht zufolge dazu, dass er für kurze Zeit unabsichtlich Aktienpositionen in Höhe von 7 Mrd. Dollar aufhäufte.

Der US-Börsenmakler Knight Capital hat durch die fehlerhaften Handelsaufträge am vergangenen Mittwoch zeitweise Aktien im Wert von 7 Mrd. Dollar angehäuft, die das Unternehmen eigentlich gar nicht kaufen wollte. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Grund war ein 45 Minuten andauerndes Softwareproblem. Bis zum Ende des Tages habe der Pannenbroker versucht, den Bestand der ungewollten Aktien zu reduzieren. Am Ende des Handelstages kam Knight Capital auf eine Position von 4,6 Mrd. Dollar.

Dies führte zu dem Verlust von 440 Mio. Dollar und der Rettungsaktion einer Gruppe von Kunden und Investoren, die am Wochenende 400 Mio. Dollar einschossen und 73 Prozent an dem Börsenmakler übernahmen.

Inzwischen seien zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, um fehlerhafte Handelsaufträge zu vermeiden, schrieb Knight-Chef Thomas Joyce in einer Notiz an Kunden. "Wir sind, zusätzlich zu unserer internen Untersuchung, in Gesprächen mit externen Beratern, um die Situation zu klären."

Knight Capital zählte zuletzt mit einem Marktanteil von gut 17 Prozent an der NYSE zu den größten Händlern von US-Aktien. Das Unternehmen stellt mit automatisierten Systemen An- und Verkaufskurse für Aktien und verdient an der Kursdifferenz. Beobachter fragen sich, warum Knight seine Handelssoftware nicht sorgfältiger getestet hatte - und wie es dazu kommen konnte, dass die computergenerierten Aufträge 45 Minuten lang Kursausschläge an der New Yorker Börse auslösten, ohne dass der Broker dies stoppen konnte.

Solche Ausschläge können unabsehbare Wechselwirkungen mit mehr als 50 Handelsplätzen für Aktien allein in den USA haben. Alle Aktienhändler sind von der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) angehalten, Aufträge an dem gerade jeweils günstigsten Handelsplatz auszuführen. Das kann eine Börse sein ebenso wie die anonymen Dark Pools der Investmentbanken, die öffentlich keine Preise stellen. "Die Strukturen sind zu kompliziert geworden", sagte Larry Tabb, Gründer der auf Kapitalmarktinfrastruktur spezialisierten Beratungsfirma Tabb. "Wir müssen wohl über eine Vereinfachung dieser Strukturen nachdenken."

SEC-Chefin Mary Shapiro hat ihre Behörde angewiesen, die Arbeit an Regeln zu beschleunigen, welche die Integrität der Systeme sicherstellen sollen. Abgeordnete des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus planen in Kürze, die Beteiligten anzuhören.

  • FTD.de, 09.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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