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Merken   Drucken   08.11.2011, 11:51 Schriftgröße: AAA

Motorsport-Prozess: Wie Gerhard Gribkowsky die Formel 1 rettete

2005 stand die Formel 1 laut Ex-Daimler-Vorstand Jürgen Hubbert vor dem Aus, die Konkurrenzserie GPWC war startbereit - bis BayernLB-Vorstand Gribkowsky kam.
© Bild: 2011 dapd/Sebastian Widmann
2005 stand die Formel 1 laut Ex-Daimler-Vorstand Jürgen Hubbert vor dem Aus, die Konkurrenzserie GPWC war startbereit - bis BayernLB-Vorstand Gribkowsky kam. von Angela Maier  München
Es wirkt, als ob sich gute Bekannte nach langer Zeit wiedersehen. Als Gerhard Gribkowsky gestern den Gerichtssaal betritt, eilt Jürgen Hubbert sofort zum früheren BayernLB-Vorstand an die Anklagebank. Ein kräftiger Handschlag, "Wie geht's?", fragt der pensionierte DaimlerChrysler-Vorstand den fast 20 Jahre Jüngeren. "Den Umständen entsprechend", antwortet Gribkowsky und lächelt etwas gequält.
Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky   Der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky
Seit Jahresbeginn sitzt er in Untersuchungshaft, seit gut zwei Wochen werden die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vor dem Münchner Landgericht verhandelt. Die Ankläger glauben, Gribkowsky habe beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB 2005 an Investor CVC von Rennchef Bernie Ecclestone 44 Mio. Dollar Bestechungsgeld kassiert.
Hubbert und Gribkowsky kennen sich seit dem Tauziehen um die Zukunft der Formel 1, als sie auf verschieden Seiten standen. Unter Leitung von Hubbert, damals im Daimler-Vorstand für das Motorsport-Engagement zuständig, arbeiteten die Hersteller am Aufbau einer konkurrierenden Rennserie. Wäre die Grand Prix World Championship (GPWC) an den Start gegangen, hätte die BayernLB einen kompletten Wertverlust ihrer Formel-1-Anteile fürchten müssen. "Das wäre der Fall gewesen", sagt Hubbert.
Bernie Ecclestone   Bernie Ecclestone
Die Autokonzerne waren damals tief verärgert darüber, dass die Formel-1-Gesellschaft SLEC den größten Teil der Gewinne unter anderem aus TV-Geldern selbst vereinnahmte. So stimmten dem Konkurrenzprojekt GPWC im Februar 2005 alle Teams zu - bis auf das Zugpferd Ferrari, das Ecclestone auf seine Seite gebracht hatte. Dennoch betont Hubbert: "Wir gingen davon aus, dass die GPWC 2008 startet." Als er im April 2005 in den Ruhestand ging, schrieb er seinem Nachfolger zum Abschied: "Wir haben das optimale Bedrohungspotenzial für B. E. und die Banken aufgebaut."
Dennoch gelang es B. E. - Bernie Ecclestone - fünf Monate später, CVC als potenziellen Käufer der BayernLB-Anteile zu präsentieren. 2009 schließlich einigten sich Teams und Ecclestone auf die weitere Zusammenarbeit, der GPWC-Spuk war vorbei. Ob Gribkowsky, wie seine Verteidiger behaupten, als Schlichter agiert habe, sollen Zeugenaussagen klären - am Mittwoch ist der 81-jährige Ecclestone dran.
  • FTD.de, 08.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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