Die Schweizer Großbank UBS hat heute erstmals Stellung zu möglichen Konsequenzen aus der millardenschweren Fehlspekulation ihres Londoner Händlers Kweku Adoboli genommen.
Das Investmentbank-Geschäft steht demnach nicht grundsätzlich infrage. Die Strategie einer auf Dienste für die Kunden ausgerichteten Investmentbank bewähre sich, sagte am Samstag der UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger der "Neuen Zürcher Zeitung". Die Investmentbank als solche stehe für die UBS nicht zur Disposition, da sie gebraucht werde. Abzuklären gelte es jedoch, ob und wie die Kundenfokussierung und die Kontrolle noch weiter verbessert werden könnten. Anzunehmen sei zudem, dass die Investmentbank künftig mit weniger Kapital werde auskommen müssen.
Villiger sagte zudem, dass der Handelsskandal zur Unzeit käme. Prinzipiell sei er überzeugt, dass es der UBS-Führung gelungen sei, das Risikomanagement und die Kontrolle auf die Höhe der Zeit zu bringen. Die Tatsache, dass so etwas trotzdem habe passieren können, zeige, dass es irgendwo noch Lücken gebe, die geschlossen werden müssen.
Die Bank muss im dritten Quartal mit einem Verlust rechnen. Analysten gehen davon aus, dass das größte Schweizer Geldhaus sein Investmentbanking nach dem Handelsskandal verkleinern und neu ausrichten wird.
Die Finanzaufsichten der Schweiz und Großbritanniens haben indes beschlossen, eine gemeinsame Untersuchung zu starten. Das teilte die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma mit. Mit der Untersuchung werde ein außenstehendes Unternehmen beauftragt, das unabhängig von der UBS sei. Ziel der zusammen mit der britischen Financial Services Authority (FSA) geplanten Untersuchung sei es, die genauen Umstände der nicht autorisierten Handelsaktivitäten abzuklären.
Nach Angaben der Firma sollen mögliche Fehler in den internen Kontrollsystemen der UBS aufgedeckt werden, die dafür gesorgt haben könnten, dass Adobolis Aktivitäten unentdeckt geblieben worden sind. Zusätzlich gehe es um eine Überprüfung der grundsätzlichen Kontrollmechanismen der UBS, mit denen nichtautorisierte oder kriminelle Aktivitäten inder Investment-Bank verhindert werden sollen. Ratingagenturen haben wegen der mangelhaften Kontrollen bereits angedroht, die Bonität der UBS herabzustufen.
"Die Finma-Untersuchung könne einiges zutage fördern", sagte die Luzerner Wirtschaftsprofessorin Monika Roth im Schweizer Rundfunk: "Denn während die Beschuldigten in einem Strafverfahren die Aussage verweigern können, seien sie bei dieser Untersuchung zur Kooperation verpflichtet. Sollten die Betroffenen dennoch schweigen, könne dies gegen sie verwendet werden."
Zudem ist es möglich, dass die Finma Maßnahmen gegen die UBS beschließen: "Sie kann Auflagen machen, wie Weisungen und Kontrollen zu ergänzen sind. Und sie könne der Bank sogar mit dem Entzug der Bewilligung drohen und persönliche Berufsverbote aussprechen", sagte die Expertin.
Teil 2: UBS-Chef sieht zunächst vom Rücktritt ab