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Merken   Drucken   14.01.2009, 16:05 Schriftgröße: AAA

Neue Milliardenhilfe: Staat will Mehrheit an Hypo Real Estate

Die Welle an Teilverstaatlichungen reißt nicht ab: Der Bund erwirbt anscheinend Anteile an dem Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Auch über eine Abspaltung der Depfa werde nachgedacht. Das Pikante: Der Bund strebt nach einer Mehrheit.

Der Bund steht vor dem Einstieg bei einer zweiten deutschen Großbank. Die angeschlagene Immobilienbank Hypo Real Estate  (HRE) benötigt informierten Personen zufolge neue Milliardenhilfen vom Staat. Nach FTD-Informationen aus Kreisen der Unionsfraktion strebt die Regierung die Mehrheit an dem angeschlagenen Finanzinstitut an. Laut der Nachrichtenagentur Reuters werde sogar eine Komplettübernahme diskutiert. Die HRE-Aktie fiel um 7,8 Prozent auf 2,02 Euro.

Beraten werde mit dem staatlichen Rettungsfonds Soffin zudem über eine Abspaltung des Staatsfinanzierers Depfa, dessen Refinanzierungsprobleme die Krise bei der Immobilienbank Ende 2008 ausgelöst hatten, berichtete Reuters. Der Soffin und die HRE lehnten eine Stellungnahme ab.

Kernkapitalquote liegt unter der vorausgesetzten Quote

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Mit dem Einstieg würde sich die Kapitalbasis der HRE deutlich verbessern. Ihre Kernkapitalquote lag Ende September 2008 bei 6,8 Prozent. Das Problem dabei: Um sich für Staatsgarantien und Schuldenkäufe durch den Soffin zu qualifizieren, muss ein Finanzinstitut eine Quote von mindestens acht Prozent vorweisen. Nach den zu erwartenden Verlusten im vierten Quartal dürfte sich die Kapitalposition weiter signifikant verschlechtern. Eine direkte Beteiligung des Bundes würde den Weg für weitere Hilfen durch den Soffin ebnen.

Im dritten Quartal 2008 hatte die HRE einen Verlust von rund 2,9 Mrd. Euro ausgewiesen, der im Wesentlichen auf die Abschreibung des Firmenwerts der erst im Oktober 2007 für knapp 6 Mrd. Euro übernommenen Depfa Bank zurückzuführen war. HRE-Chef Axel Wieandt hatte kurz vor Weihnachten auch für das vierte Quartal weitere "erhebliche Ergebnisbelastungen" angekündigt. Wiandt ist Nachfolger von Georg Funke, der gemeinsam mit Aufsichtsratschef Kurt Viermetz im Zuge der notwendig gewordenen Rettung des Geldhauses zurücktreten musste.

Welle an Teilverstaatlichungen

Bund und Banken mussten die HRE bereits mit insgesamt 80 Mrd. Euro an Geld und Garantien vor dem Kollaps bewahren. Allerdings sind die Hilfen befristet. Derzeit verhandelt der Konzern mit dem Bund über weitere Unterstützung. In einem ersten Schritt verlängerte der Soffin am Dienstag die Garantien bis zum 15. April 2009.

Insgesamt geht es um 30 Mrd. Euro, mit denen Schuldverschreibungen der HRE abgesichert werden. Diese Schuldverschreibungen müssen ebenfalls am 15. April zurückgezahlt werden. Für die jetzige Verlängerung der Soffin-Garantie zahlt die HRE Gebühren von insgesamt 0,6 Prozent pro Jahr an den Rettungsfonds.

Mit dem möglichen Einstieg bei der HRE würde die Welle an Teilverstaatlichungen im deutschen Bankensektor weiter gehen. Erst vergangene Woche hatte der Staat 25 Prozent an der Commerzbank  erworben. Laut FTD-Informationen steht zudem die Deutsche Post  davor, Großaktionär der Deutschen Bank  zu werden. Der Bund ist über die staatliche Förderbank KfW wiederum bei der Post engagiert.

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