Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein setzt sich persönlich gegen die Kritiker seines Arbeitgebers zur Wehr - räumt aber auch Fehler in der Unternehmenskommunikation ein: "Wir haben nicht alles richtig gemacht, was den Umgang mir der Öffentlichkeit angeht", sagte Blankfein im legeren Hemd-Krawatten-Outift dem US-Wirtschaftsfernsehsender CNBC. "Mit den Medien zu reden, ist ein Muskel, den wir in der letzten Zeit nicht angestrengt haben."
Deswegen trainiert er jetzt. Gelegenheiten dazu haben sich in den vergangenen Monaten außreichend angesammelt. Erst überschlugen sich die Nachrichten über den von Bord gehenden Londoner Goldman-Manager Greg Smith, der in einem offenen Abschiedsbrief in der New York Times die moralische Verrohung bei der Investmentbank anprangerte. Dann folgte die "Muppet"-Affäre, die sich an einer Passage des Briefes entzündete und für viel Spott und Häme sorgte. Smith hatte in einem Nebensatz erwähnt, dass die Kunden der Bank intern gern als "Muppets", also als "Dummköpfe", bezeichnet würden, an denen Goldman gut verdienen könne.
Vergangene Woche fingen auch noch die Investoren an Stunk zu machen: Die Verwalter des Anlagefonds Sequoia, der immerhin über rund 1,4 Millionen Goldman -Aktien verfügt, wiesen ihre Anleger an, bei der Aktionärsversammlung in einem Monat die Wiederwahl von Goldman-Sachs-Vorstandsmitglied James Johnson in Frage zu stellen. Johnson war einst Chef des später verstaatlichten Hypothekenfinanzierers Fannie Mae. Aus Sicht von Sequoia ist er mitverantwortlich für die Finanzkrise und hat deshalb im Goldman-Vorstand nichts zu suchen.
Ob dieser jüngste Angriff Blankfein vor die Kameras trieb, weiß wohl nur die oberste Goldman-Riege. Jedenfalls nahm er den Auftritt zum Anlass, zum Rundumschlag auszuholen. "Entschuldigen Sie bitte den Widerspruch in sich, aber wir haben uns an Überraschungen gewöhnt", sagte er im Hinblick auf die Smith-Notiz. Sein Kommentar zu dem Vorwurf des moralischen Verfalls: Bei einer Prüfung hätten sich keine Hinweise auf Smith' Vorwürfe ergeben. Im Gegenteil: Alle 30.000 Goldman-Mitarbeiter würden anders empfinden. Zu dem Vorwurf, Kunden würden ausgenutzt, sagte Blankfein, dass sie andersherum im Allgemeinen unterstützt würden.
Schließlich stellte er sich den immer wieder aufflackernden Gerüchten über seinen eigenen Rücktritt. "Es liegt in unserer Verantwortung, sicherzustellen, dass wir eine Nachfolgeregelung haben", sagte Blankfein- fügte jedoch hinzu, er habe keine Pläne zu gehen. "Das ist ein großartiger Job und ich bekomme gewaltige Unterstützung", sagte er.