Dirk Jens Nonnenmacher ist nicht zu beneiden. Seine HSH Nordbank steht am Abgrund, ihr Renommee ist schwer angeschlagen. Dagegen kämpft der Vorstandschef mit allen Mitteln, zum Beispiel der Halbierung der Bilanzsumme mithilfe einer "Abbaubank".
Dirk Jens Nonnenmacher ist aber auch nicht zu bemitleiden. Zu verstrickt ist er in die Vergangenheit der norddeutschen Landesbank, die geprägt war vom riskanten "Kreditersatzgeschäft", also das Zocken mit Wertpapierbündeln, die heute das Signet "toxisch" tragen. Dass ihm jetzt sein Aufsichtsratsvorsitzender
Hilmar Kopper per Ehrenerklärung den Rücken stärkt, verschafft Nonnenmacher nur vordergründig Luft.
Wenn Kopper erklärt, Nonnenmacher habe bei der Gegenzeichnung fragwürdiger Geschäfte im Jahr 2007 in der damaligen Funktion als Finanzvorstand keine direkte Kreditverantwortung getragen, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass er nicht gegen den Deal hätte votieren können. Das Geschäft diente wohl in erster Linie der Entlastung der Bilanz. Als Finanzvorstand hätte er die Zusammenhänge erkennen müssen.
Wenn Kopper erklärt, dass er die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer gebeten habe, bis Ende Oktober einen Zwischenbericht über die Arbeit des Vorstandes in den vergangenen Jahren vorzulegen, mutet das merkwürdig an. Schon im Mai sollte eigentlich die endgültige Fassung des Prüfberichtes vorliegen, keine Zwischenfassung. Offenbar fällt das Durchleuchten der Vergangenheit umfangreicher aus als vermutet. Und wer weiß schon, was in dem Prüfbericht steht - Koppers Ehrenerklärung hat nur vorläufigen Charakter
Und wenn vom Aufsichtsrat einzig Kopper Nonnenmacher den Rücken stärkt, nicht aber die Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein, verdeutlicht das nur, wie sehr Kopper sein eigenes Schicksal als HSH-Oberaufseher mit dem seines Vorstandsvorsitzenden verknüpft - die Nordländer können sich zu so einem Schritt ganz offensichtlich nicht durchringen. Die eigentliche Tragik an der Sache aber ist, dass ein Nachfolger für Nonnenmacher eben auch nicht so einfach zu finden wäre - die monatelang vergebliche Suche nach einfachen Vorstandsmitgliedern belegt, für wie unattraktiv ein Job bei der HSH in der Branche gehalten wird.
Vorerst also bleibt die HSH auf Nonnenmacher angewiesen - mangels Alternative. Ein Plan B ist nicht erkennbar. Wenn aber der Chef und sein Aufsichtsrat gehen sollten oder müssten, fällt die Verantwortung wieder auf die Regierungschefs in Hamburg und Kiel zurück. Ein alles in allem düsteres Szenario.