Der teilverstaatlichte spanische Sparkassen-Konzern Bankia hat den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen in Aussicht gestellt. "Die BFA Gruppe und die Bankia haben ein starkes Portfolio von Firmenanteilen", sagte der Verwaltungsratsvorsitzende von Spaniens viertgrößter Bank, Jose Ignacio Goirigolzarri, am Samstag.
"Wir werden natürlich danach schauen, einen Verkaufsprozess einzuleiten." Bankia und die Muttergesellschaf BFA sind unter anderem an der International Airlines Group , unter deren Dach die Fluggesellschaften British Airways und Iberia zusammengefasst sind, sowie an dem Energiekonzern Iberdrola beteiligt.
Bankia musste die spanische Regierung am Freitag um weitere 19 Mrd. Euro bitten, um zu überleben. 4,5 Mrd. Euro hat der Staat bereits in die Sparkasse gepumpt. Per saldo könnte sich der Finanzbedarf des angeschlagenen Geldinstituts damit auf 23,5 Mrd. Euro belaufen. Zwar halten Investoren derzeit Vorzugsaktien im Wert von rund 4 Mrd. Euro. Die Umwandlung in Kapital sei jedoch keine Lösung, sagte Goirigolzarri.
Bankias Geldlücke wurde in den vergangenen Monaten immer größer eingeschätzt. Spaniens Regierung hatte erst am Mittwoch den Finanzbedarf auf mindestens 9 Mrd. Euro beziffert. Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte versichert, Madrid werde den Bedarf der Großsparkasse voll decken.
Am Freitagabend stufte die Ratingagentur Standard & Poor's Bankia und vier weitere Geldinstitute des Landes herab. Die Bonitätsnote von Bankia sowie der Banco Popular Espanol und von Bankinter werde von BBB- auf BB+ gesenkt, teilte S&P am Freitag mit. Auch das Rating von Banca Civica und Banco Financiero de Ahorros wurde heruntergesetzt. Die Kreditwürdigkeit der beiden größten spanischen Banken Santander und BBVA ließ S&P unverändert.
Der angeschlagene Bankensektor ist das größte Sorgenkind der spanischen Regierung im Kampf gegen die Schuldenkrise. Erst Mitte des Monats hatte die Ratingagentur Moody's 16 spanische Banken herabgestuft, darunter auch Branchenprimus Santander.
Die Verluste bei Bankia belastet die Finanzmärkte und weckt Befürchtungen, dass die Regierung dazu gezwungen sein könnte, EU-Finanzhilfen zu beantragen.
Bankia wurde Anfang des Monats in einer Nacht- und Nebel-Aktion teilweise verstaatlicht, weil das Institut die riesigen Verluste aus dem spanischen Immobiliencrash nicht schultern konnte.
Der Geldkonzern war erst vor zwei Jahren auf staatliche Initiative aus der Fusion schwächelnder Sparkassen entstanden. Spanien leidet schwer unter den Nachwehen einer vor vier Jahren geplatzten Immobilienblase, die dem Land inzwischen eine zweite Rezession und eine Arbeitslosigkeit in Rekordhöhe eingebrockt haben.
Die Sorgen um den spanischen Bankensektor wie auch die Euro-Schuldenkrise belasteten den Euro. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren sank die Gemeinschaftswährung am Freitag zeitweilig unter die psychologisch wichtige Marke von 1,25 Dollar.
Im US-Handel erholte sich der Euro leicht auf 1,2520 Dollar, nachdem er im europäischen Handel bis auf ein Tief von 1,2495 US-Dollar gerutscht war. Seit Wochenbeginn wertete der Euro damit um rund zweieinhalb Cent ab. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs auf 1,2546 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7971 Euro.
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