FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Wie ein Ex-Manager Goldman Sachs beschimpft
Merken   Drucken   14.03.2012, 18:42 Schriftgröße: AAA

Öffentlicher Brandbrief: Wie ein Ex-Manager Goldman Sachs beschimpft

"Destruktiv" und "moralisch verrottet": Der Abschiedsbrief von Greg Smith ist ein PR-Desaster für die US-Investmentbank. Vorstandschef Blankfein reagiert mit einem Schreiben an seine Mitarbeiter - und schießt dabei ein Eigentor.
© Bild: 2012 Bloomberg/Daniel Acker
"Destruktiv" und "moralisch verrottet": Der Abschiedsbrief von Greg Smith ist ein PR-Desaster für die US-Investmentbank. Vorstandschef Blankfein reagiert mit einem Schreiben an seine Mitarbeiter - und schießt dabei ein Eigentor.
von Frankfurt

Goldman Sachs  ist schlechte Presse gewöhnt. Der Rolling-Stones-Journalist Matt Taibi bezeichnete die US-Investmentbank vor zwei Jahren als "Vampire Squid", als blutsaugenden Tintenfisch. Auch dass die US-Börsenaufsicht SEC wenig später ein fragwürdiges Geschäft aufdeckte, bei dem die Bank gemeinsam mit dem Hedge-Fonds-Manager John Paulson andere Kunden übers Ohr gehauen haben soll, trug nicht gerade zur Verbesserung ihres Ansehens bei.

Kursinformationen und Charts
   [ %

Doch dass ein ehemaliger Mitarbeiter das Unternehmen öffentlich als "destruktiv" und "moralisch verrottet" bezeichnet - das hat es noch nie gegeben. Die Abrechnung von Greg Smith, bislang Derivatehändler bei Goldman Sachs in London, erschien am Mittwoch in einem Gastbeitrag für die "New York Times" - und verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer.

Smith wirft seinem Ex-Arbeitgeber vor, Kunden systematisch abzuzocken. Investoren würden "Aktien und andere Produkte aufgeschwatzt, die wir loszuwerden versuchen, weil ihr Ertragspotenzial als nicht besonders groß betrachtet wird". Einige Goldmänner bezeichneten ihre Kunden sogar als "Deppen".

Der langjährige Goldman-Mitarbeiter beschuldigt Vorstandschef Lloyd Blankfein und den Aufsichtsratsvorsitzenden Gary Cohn, sie hätten die Unternehmenskultur verkommen lassen. "Ich war immer stolz darauf, meine Kunden so zu beraten, dass sie davon profitieren - selbst wenn es weniger Geld für die Firma bedeutet", schreibt Smith. Mittlerweile fragten junge Kollegen nur noch: "Wieviel Geld haben wir mit dem Kunden verdient?"

Schwacher Konter

Goldman-Chef Blankfein reagiert gekränkt   Goldman-Chef Blankfein reagiert gekränkt

Die Bank weist die Vorwürfe weit von sich. "Die Behauptungen dieser Person reflektieren nicht unsere Werte und unsere Kultur", heißt es in einem Schreiben Blankfeins an seine Mitarbeiter, das das "Wall Street Journal" veröffentlichte.

Allerdings wirkt der Versuch des Bankchefs, Smith als isolierten Einzelfall darzustellen, etwas misslungen. In einer Umfrage hätten 89 Prozent der Belegschaft die Auffassung vertreten, die Kunden bekämen einen exzellenten Service, schreibt Blankfein. Eine Steilvorlage für die Kritiker: "Und was ist mit den restlichen elf Prozent?", ätzte Tyler Durden vom Finanzblog Zerohedge.

Teil 2: Das Imperium schlägt zurück

  • FTD.de, 14.03.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler