Exklusiv
Nach langer Suche hat die amerikanische Bank endlich einen Käufer für das Frankfurter Hochhaus gefunden. Morgan Stanley wird das Haus nur mit Verlust los - für die Anleger des Immobilienfonds ein Desaster.
von Sarah Speicher-Utsch
und Karsten RöbischFrankfurt
Schlechte Nachrichten für Morgan Stanleys Immobilienfondsanleger: Nach mühsamer Suche findet die US-Bank einen Käufer für das Frankfurter Hochhaus Trianon. Nach FTD-Informationen sollen die knapp 57 Prozent an dem Gebäude, die dem Morgan-Stanley-Fonds P2 Value gehören, an die Deutschland-Tochter des US-Fonds Madison gehen. Sowohl Morgan Stanley als auch Madison Real Estate lehnten einen Kommentar ab.
Für P2-Value-Anleger zeichnet sich schon länger ein Desaster ab: Vor seiner Schließung Ende 2008 war ein Anteil noch 52 Euro wert gewesen, Mitte Februar 2012 waren es nur noch 20,98 Euro. Beim Trianon muss Morgan Stanley wohl auch noch Zugeständnisse machen: "Der Fonds ist in einer schlechten Verhandlungsposition, weil er die Immobilie verkaufen muss", sagt Maik Rissel, Leiter Immobilien bei Marcard Stein. Hinzu komme, dass das Gebäude nicht voll vermietet sei und wegen Brandschutzauflagen renoviert werden müsse.
Die amerikanische Investmentbank war für ihren 2006 aufgelegten offenen Immobilienfonds, der nunmehr aufgelöst wird, auf große Einkaufstour gegangen. Morgan Stanley hatte damals sehr hohe Preise für Immobilien gezahlt - die Beteiligung am Frankfurter Trianon ging mit einen Verkehrswert von 357,4 Mio. Euro in den Fonds ein, wurde zwischenzeitlich aber kräftig abgewertet. Branchenkreisen zufolge soll die Beteiligung jetzt für deutlich weniger über den Tisch gehen.
Das 47-stöckige Hochhaus ist zwar fast 20 Jahre alt, befindet sich aber in bester Innenstadtlage in unmittelbarer Nähe zu den Zwillingstürmen der Deutschen Bank und dem Frankfurter Opernturm. Außerdem soll der Mietvertrag von Hauptmieter Deka-Bank noch mehr als zehn Jahre laufen. Der Vermögensverwalter der Sparkassen hatte den 186 Meter hohen Wolkenkratzer 2007, als der Immobilienmarkt boomte, für 620 Mio. Euro an Morgan Stanley verkauft - mit einem Buchgewinn von seinerzeit angeblich 150 Mio. Euro. 57 Prozent flossen in den offenen Fonds für Privatanleger, der Rest ging an einen Morgan-Stanley-Fonds für Profiinvestoren.
Nun kann sich Finanzinvestor Madison über einen guten Preis für das Trianon freuen. Er ist darauf spezialisiert, Anlegern - meist von geschlossenen und nicht handelbaren Fonds - Anteile abzukaufen. Das Unternehmen hat in den vergangenen zehn Jahren Zweitmarktanteile im Wert von mehr als 500 Mio. Dollar erworben.
Am Immobilienmarkt tut sich noch mehr: Nach Informationen des Branchendienstes Debtwire wird auch das Frankfurter Hochhaus Skyper verkauft. Die Schweizer Bank UBS hatte das 154 Meter hohe Gebäude 2006 für 400 Mio. Euro in ihren Wealth Management Continental European Property Fund erworben. Verkäufer war auch die Dekabank - sie hatte dabei aber einen Verlust gemacht. Wie der P2 Value wird auch der UBS-Fonds, der von sehr reichen Kunden Geld eingesammelt hatte, aufgelöst.
Die düsteren Zeiten für offene Immobilienfonds begannen 2008, nachdem sie lange von der Finanzkrise verschont geblieben waren. Denn die Fonds machten noch Gewinn, als die Aktienmärkte bereits stark gefallen waren, was ihnen zum Verhängnis wurde: Profiinvestoren verkauften Anteile, um mit den Gewinnen Finanzierungslücken zu stopfen. Die liquiden Mittel vieler Fonds reichten nicht aus, um die Anteile zurückzunehmen - die Produkte wurden dichtgemacht. Insgesamt sind offene Immobilienfonds im Wert von gut 24 Mrd. Euro eingefroren oder in der Abwicklung.
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