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Merken   Drucken   30.09.2008, 11:56 Schriftgröße: AAA

Private Equity: Unter "Heuschrecken" bricht Panik aus  

Die Ausfallraten steigen - und damit die Abschreibungen. Im Zuge der internationalen Bankenkrise steuern die einst so mächtigen Beteiligungsgesellschaften auf ihre schlimmste Krise seit Jahrzehnten zu. von Angela Maier (München)
"Die Wirkung auf die Private-Equity-Branche ist vernichtend", sagte Ian Cash, Managing Director des britischen Finanzinvestors Alchemy, auf einer Konferenz der Private-Equity-Dachfondsgesellschaft VCM. "Das gesamte Geschäftsmodell der Private-Equity-Gesellschaften ist bedroht." Michael Hinderer, Chef von Altium Capital, meinte: "So etwas wie jetzt habe ich noch nie gesehen." Als ein Mitgründer einer Vorläuferfirma von Apax ist Hinderer seit Jahrzehnten im Geschäft.
Die bis Mitte 2007 andauernde Kredithausse hatte jahrelang die Deals der Private-Equity-Firmen getrieben - und ihre Gewinne. Da Milliardendarlehen kaum mehr vergeben werden, ist ihre Übernahmetätigkeit stark geschrumpft: Laut Thomson Financial ist das weltweite Dealvolumen in diesem Jahr bis Mitte September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 72 Prozent auf 184 Mrd. $ eingebrochen und sank in Deutschland von 27 auf 13 Mrd. $.
Die größte Bedrohung ist jedoch, dass sich die Werte vieler Firmen in den Portofolios drastisch verringern dürften. "Die Ausfallraten steigen, wir erwarten 20 Prozent oder mehr", so Cash. Wegen des Konjunktureinbruchs dürften sich die Umsätze vieler Unternehmen in den Private-Equity-Portfolios verschlechtern und damit auch ihre Margen. Die Folge für die Private-Equity-Firmen sind hohe Abschreibungen: So hatte KKR die Werte seiner Portfoliofirmen jüngst um 1,2 Mrd. Euro herabgesetzt. Dies ist erst der Anfang: "Der Schaden ist bereits entstanden, aber noch nicht in Erscheinung getreten", meinte Lemy Gresh, Gründer des Mezzaninefonds Mezzvest.
Zudem hat die Kreditbereitschaft der Banken auch für kleine Private-Equity-Deals stark nachgelassen - was die Unternehmensbewertungen ebenfalls drückt: Hinderer berichtet von einem Fall, in dem die Banken noch im Juni einen Kredit in Höhe des 5,5-fachen operativen Unternehmensgewinns (Ebitda) versprochen hätten. Im September hätten sie nur noch das vierfache Ebitda gewährt.
Mit Blick auf den Abschwung haben sich sogenannte Distressed-Investoren, die auf problembehaftete Unternehmen spezialisiert sind, bereits seit Ende 2006 mit Milliardenfonds munitioniert und kräftig investiert. Der Chef des US-Fonds Oaktree, Howard Marks, räumte am Montag ein, dass man damit früh dran war. "Wir haben die Talsohle noch nicht erreicht, deswegen geben wir unser Geld jetzt nicht aggressiv aus."
  • Aus der FTD vom 30.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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