Die Commerzbank erwägt nach FTD-Informationen einen weiteren Stellenabbau im Privatkundengeschäft. Der Vorstand prüfe, ob der größte Konzernbereich mit seinen rund 18.000 Mitarbeitern für das aktuell schwierige Marktumfeld richtig aufgestellt ist. "Wir müssen uns fragen, ob die 2009 geplanten Ressourcen noch passen", sagte ein Insider der FTD. Es sei gut möglich, dass den Überlegungen bald konkrete Stellenabbaupläne folgen werden.
Bei der Commerzbank stehen damit tiefere personelle Einschnitte an als bislang bekannt. Nach dem im Juni verkündeten Rückzug aus der Schiffs- und gewerblichen Immobilienfinanzierung sowie dem zuvor angekündigten Aus für das Staatsanleihegeschäft stehen bereits knapp 1300 Stellen auf der Kippe. Davon entfallen rund 1100 auf die Tochter Eurohypo , deren Name Ende August verschwindet. Insgesamt muss die Commerzbank rund 180 Mrd. Euro an Vermögenswerten abbauen.
Die Überlegungen zum Privatkundengeschäft sind Teil einer neuen Strategie, mit der die Commerzbank die Weichen bis 2016 stellen will. Sie soll im September vorgestellt werden. Die 2009 formulierten Ziele mit einem operativen Gewinn von 4 Mrd. Euro sind längst Makulatur. Nach dem Rückzug aus der Immobilien- und Schiffsfinanzierung kommt es mehr denn je auf das Privatkundengeschäft an, das mit Erträgen von rund 3,8 Mrd. Euro 2011 das größte Segment im Konzern war, vor der Mittelstandsbank mit 3,2 Mrd. Euro. Die Firmenkunden sind jedoch deutlich profitabler: Der operative Gewinn der Sparte lag 2011 mit 1,5 Mrd. Euro viermal höher als der des Privatkundensegments.
Das Geschäft mit den rund elf Millionen Kunden in Deutschland ist neben dem Staats- und Immobilienfinanzierer Eurohypo das größte Sorgenkind der Commerzbank. Seit dem Zusammengehen mit der Dresdner Bank sind die Erträge Quartal für Quartal zurückgegangen. Von ihren ursprünglichen Zielen ist die Bank weit entfernt. Laut der 2009 vorgelegten Strategie "Roadmap 2012" sollte die Eigenkapitalrendite in diesem Jahr bei rund 30 Prozent liegen. Im ersten Quartal kam die Commerzbank im Privatkundengeschäft jedoch nur auf magere elf Prozent.
Die Commerzbank leidet wie viele Wettbewerber unter den niedrigen Zinsen. Dadurch schrumpfen die Erträge aus der Anlage der Kundeneinlagen. Gleichzeitig hat die Euro-Krise die Privatanleger extrem verunsichert, sodass sie kaum noch Fonds oder andere Wertpapiere kaufen. Die Provisionen aus der Vermittlung von Anlageprodukten sind deshalb deutlich eingebrochen. Neben dem schwierigen Marktumfeld kommen auch interne Probleme dazu: Die Commerzbank hat sich lange Zeit zu sehr mit der Integration der Dresdner Bank beschäftigt.
Mehr zu: Commerzbank, Stellenabbau
Im Zuge der Integration hatte die Commerzbank bereits 2009 den Abbau von 9000 Stellen beschlossen, bis auf 500 Stellen ist dies vollzogen. Gleichzeitig kündigte die teilstaatliche Bank an, die Zahl der Filialen von 1600 bis Ende 2012 auf 1200 zu senken. Bei ihren Entscheidungen damals war die Commerzbank noch davon ausgegangen, dass sich die Finanzmärkte nach dem Einbruch 2008 bis 2012 wieder erholt haben würden.
Eine Entscheidung, wie viele Mitarbeiter gehen müssen, ist noch nicht gefallen. Einige Bankvorstände schrecken nach FTD-Informationen vor harten Einschnitten zurück, um die Erholung im Aufschwung nicht zu gefährden. Andere dagegen drängen auf deutliche Einschnitte, da ein baldiges Ende der niedrigen Zinsen und der Risikoscheu der Privatanleger nicht absehbar seien, hieß es.
| Wenig Schlagkraft |
|---|
| Massenkunden Im ersten Quartal 2012 lagen die Erträge der Commerzbank im Privatkundengeschäft bei nur 850 Mio. Euro. Der Provisionsüberschuss brach gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ein Drittel ein. |
| Einsparungen Nur mit Kostenkürzungen konnte die Commerzbank das Privatkundensegment profitabel halten. Die Kosten sanken gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent. In der Privatkundensparte arbeiten 18.000 Mitarbeiter, davon 10.000 als Kundenberater. |