Der krisengeschüttelten HSH Nordbank droht ein neuer Skandal. Nach Erkenntnissen des "Stern" hat das Kreditinstitut mit rund 200 Mio. Euro einen Windpark in Süditalien finanziert, der von den dortigen Behörden beschlagnahmt wurde. Der Verdacht: Es handele sich um ein Geldwäsche-Projekt der kalabrischen Mafia. Die Bank bestätigte gegenüber dem "Stern" die Beschlagnahme, wollte sich aber wegen der laufenden Untersuchungen nicht zu Details äußern. Gegen die HSH Nordbank selbst wird nicht ermittelt.
Die Bank war zuletzt wieder in die roten Zahlen gerutscht. Im Jahr 2009 musste sie von Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein mit einer Kapitalspritze von 3 Mrd. Euro und zusätzlichen Garantien über 10 Mrd. Euro gerettet werden.
Im neuen Skandal geht es um eine 96-Megawatt-Anlage namens Wind Farm ICR in der Nähe der Provinzhauptstadt Crotone mit einem Investitionsvolumen von mehr als 200 Mio. Euro. Der Windpark wurde von deutschen Unternehmen geplant, finanziert und gewartet. Bei Ermittlungen ist die italienische Finanzpolizei darauf gestoßen, dass mutmaßlich der Arena-Clan hinter dem Projekt steckt. Die Arena-Familie soll seit Mitte der 70er-Jahre mit Gewinnen aus dem Handel mit Drogen und Waffen sowie Schutzgelderpressung großen Reichtum angesammelt haben.
Nach umfangreichen Ermittlungen ließen die italienischen Behörden den Windpark im Juli diesen Jahres beschlagnahmen. Die entsprechende Verfügung liegt dem "Stern" vor. Demnach gehen die Ermittler davon aus, dass das ganze Projekt der Geldwäsche dient. Laut Ermittlungsunterlagen stammt die Idee für den Windpark von Pasquale Arena, der als Vermögensverwalter des Clans gilt.
Die HSH bestätigte dem "Stern", dass sie im Jahr 2007 "für eine deutsche Projektentwicklungsgesellschaft die Errichtung eines Windparks in Süditalien" finanziert habe. Seit Anfang 2010 habe man Kenntnis von den italienischen Ermittlungen, den Behörden Unterlagen übergeben und die "volle Unterstützung" zugesichert. Nach "Stern"-Informationen spielt die HSH Nordbank in abgehörten Gesprächen und Telefonaten der Arena-Familie mehrfach eine Rolle. So ist die Rede davon, dass ein Mitglied der Arena-Familie mit einem Direktor der HSH befreundet sein soll. Am 16. Dezember sollen den Abhörprotokollen zufolge Bank-Vertreter den Windpark besichtigt haben – zusammen mit einem Mitglied der Arena-Familie.
Durch die Beschlagnahme drohen der HSH womöglich Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Bei Projektfinanzierungen ist es üblich, als Sicherheit Anteile an der Projektgesellschaft, den Anlagen selbst und die Erlöse aus Stromlieferverträgen zu verpfänden. Zurzeit wird der Windpark treuhänderisch verwaltet. Dazu laufen Untersuchungen, ob es sich sogar zum Teil um einen Schwarzbau handelt. "Aufgrund des Bankgeheimnisses" wollte sich die HSH gegenüber dem "Stern" nicht über die Höhe ihres Engagements und zu den Folgen der Beschlagnahme äußern.