Die britische Barclays -Bank hat ihr operatives Ergebnis im ersten Quartal deutlich verbessert. Zwar wies das Institut einen Vorsteuerverlust von 475 Mio. Pfund aus. Das Minus geht auf die Neubewertung eigener Schulden sowie auf Schadensersatzzahlungen zurück. Bereinigt um diese Sonderbelastungen ergibt sich ein Vorsteuergewinn von 2,5 Mrd. Pfund, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten hatten mit 2 Mrd. Pfund gerechnet. Die Barclays-Aktie legte vorbörslich zeitweise um vier Prozent zu.
Die Neubewertung eigener Schulden wirkt sich paradoxerweise ausgerechnet dann negativ auf Bankbilanzen aus, wenn sich die Lage der Institute bessert. In schlechten Zeiten poliert der Bilanzkniff dagegen das Ergebnis auf - weshalb im vergangenen Jahr zahlreiche Institute davon Gebrauch machten. Der Umkehreffekt vermasselt ihnen jetzt optisch die Bilanz.
Der Hintergrund: In schlechten Zeiten sinken die Kurse von Bankanleihen. Ein Rückkauf der Papiere zum Marktwert käme die Institute deshalb billiger als die Abzahlung des vollen Nennwerts bei Fälligkeit der Schuldtitel. Auch wenn die Banken die Anleihen nicht zurückkaufen, dürfen sie diese theoretische Entlastung als Gewinn verbuchen. Mit der Entspannung an den Finanzmärkten sind in den vergangenen Monaten aber auch die Kurse von Bankanleihen wieder gestiegen. Damit schmilzt der potenzielle Vorteil durch einen Rückkauf der Papiere, die in den Vorquartalen verbuchten Gewinne müssen wieder abgeschrieben werden.
Hinzu kommt bei Barclays ein weiterer Sondereffekt: Das Geldhaus legte 300 Mio. Pfund für Schadensersatzzahlungen an Kunden zurück, denen die Bank sogenannte Restschuldversicherungen verkauft hatte. Diese in Großbritannien als Payment Protection Insurance (PPI) bezeichneten Versicherungen sollten greifen, wenn ein Kunde berufsunfähig oder arbeitslos wird. Laut einem Gerichtsurteil vom vergangenen Jahr müssen zahlreiche britische Banken diese Verträge rückabwickeln, weil sie Kunden ohne deren Wissen untergejubelt wurden.