Die britische Finanzaufsicht FSA verschärft ihren Kampf gegen Betrug und Marktmanipulation. Die Behörde verhängte am Dienstag gegen Ian Hannam, einen der mächtigsten und prominentesten Banker der Londoner City, eine Geldstrafe von 450.000 Pfund (540000 Euro). Hannam, der bei JP Morgan Cazenove bislang das weltweite Geschäft mit Aktien und Kapitalmärkten verantwortete, habe Insiderinformationen weitergegeben. Der 56-Jährige legte Widerspruch ein, erklärte aber seinen Rücktritt.
Der Londoner Finanzplatz muss sich darauf einstellen, dass die FSA weiter aggressiv gegen derartige Vergehen vorgeht - auch wenn wichtige Aufseher wie FSA-Chef Hector Sants vor dem Absprung stehen. Seit Beginn des Jahres hat die Behörde bereits fünf Topbanker wegen Insiderhandels mit saftigen Strafen bedacht. Darunter waren hochkarätige Fälle bei Bank of America Merrill Lynch und Credit Suisse. Auch den Hedge-Fonds-Manager David Einhorn traf es, dem die FSA eine Strafe von 3,6 Mio. Pfund aufbrummte. Hannam ist der bisher höchstrangige Banker, den die FSA in einem solchen Fall bestraft.
Bis zum Ausbruch der Finanzkrise hatte die Aufsichtsbehörde lediglich eine Handvoll Insiderfälle aufgedeckt und bestraft. Der in London früher offiziell verfolgten "Regulierung der leichten Hand" folgend, berief sich die FSA häufig auf die Schwierigkeit, solche Vergehen nachzuweisen. Doch kurz vor der anstehenden Eingliederung ihrer Kompetenzen unter das Dach der britischen Notenbank will die FSA offenbar noch einmal ihre Entschlossenheit demonstrieren - und Finanzmarktakteure darauf vorbereiten, dass die harte Haltung nach dem Umbau bestehen bleiben wird.
Hannam ist ein auf den derzeit boomenden Rohstoffsektor spezialisierter Starbanker. Der frühere Soldat der britischen Eliteeinheit SAS hatte seit 20 Jahren bei Cazenove gearbeitet. Hannam gilt auch als Treiber der Internationalisierung des Börsenplatzes London. Auf seinen Rat hin sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Rohstoffkonzerne, etwa aus Zentralasien und Mittelamerika, in London an die Börse gegangen.
Im Jahr 2008 soll Hannam in E-Mails einem künftigen Kunden Details über den Ölkonzern Heritage Oil weitergereicht haben, den JP Morgan damals parallel beriet. Unter anderem informierte Hannam, möglicherweise ungewollt, über eine mögliche Gegenofferte sowie über einen bedeutenden Ölfund des Unternehmens. Allerdings handelten weder er noch sein Kunde auf Basis dieser Informationen.
Hannam führt in seinem Widerspruch an, die Informationen seien nicht ausreichend marktsensibel gewesen. Die Strafe für einen so prominenten Banker dürfte die Top-Finanziers in London künftig aber noch vorsichtiger mit Informationen agieren lassen. Die FSA argumentiert, ein so erfahrener Banker müsse sich über die Sensibilität seines Tuns im Klaren sein.
Investmentbanker kennen oft vertrauliche Informationen über ihre Kunden. Die exklusiven Details können für lukrative Börsengeschäfte ausgenutzt werden. In den meisten Ländern ist das eine Straftat, doch der Nachweis ist oft schwierig zu führen.