Der Vorstand der HSH kommt nicht zur Ruhe. Nach FTD-Informationen ist die Verlängerung des Vertrags von Marktvorstand Torsten Temp, der im Frühjahr 2013 abläuft, am Mittwoch im Aufsichtsrat gescheitert: Temp fehlt die notwendige Zweidrittelmehrheit. Dem Vernehmen nach stimmten die Arbeitnehmervertreter gegen ihn. Der 52-Jährige verantwortet seit Frühjahr 2010 das Kerngeschäft der Nordbank, also etwa die Schiffs- und Immobilienfinanzierung sowie das Firmenkundengeschäft.
In der HSH ist er jedoch nicht unumstritten. So wurde ihm angekreidet, dass das Neugeschäft zeitweise nur schleppend verlaufen ist. Ein Sprecher des Instituts sagte, dass die Entscheidung über die Vertragsverlängerung im Januar getroffen werde.
Die Wahlniederlage ist eine weitere Schlappe für Aufsichtsratschef Hilmar Kopper. Zwar reicht in einem zweiten Wahlgang für die Bestellung eines Vorstands die einfache Mehrheit. Gut möglich ist aber, dass Temp nun selbst nicht mehr auf die Verlängerung besteht.
Kopper hatte erst unlängst Kritik auf sich gezogen, als er im Oktober Vorstandschef Paul Lerbinger ohne nähere Begründung vor die Tür gesetzt und damit Spekulationen genährt hatte, die Bank habe größere Probleme als bekannt. Zuletzt war zudem bekannt geworden, dass Lerbingers Vorgänger Dirk Jens Nonnenmacher dank seines Vorstandsvertrages eine Millionenabfindung behalten darf, selbst wenn er im drohenden Prozess wegen Untreue verurteilt werden sollte.
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Bei der kriselnden Landesbank hat es auch in der Vergangenheit schon eine Wahlniederlage für einen Topmanager gegeben. 2008 scheiterte der damalige IT-Vorstand Frank Roth ebenfalls an der Zweidrittelmehrheit und wurde erst im zweiten Wahlgang gewählt - ein im Bankenlager seltener Vorgang. Der seit November amtierende Vorstandschef Constantin von Oesterreich musste bei seiner Ernennung ebenfalls Gegenstimmen hinnehmen.
Wie die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zum dritten Quartal zeigen, braucht die HSH jedoch nichts mehr als ein gestärktes Management. Wie kein anderes Institut leidet sie unter der Schiffskrise. So weitete sich nicht nur der Konzernfehlbetrag im Vergleich zum zweiten Quartal von 62 Mio. Euro auf 95 Mio. Euro aus. Zudem stiegen die Verluste, die die Bank unter einer Ausfallgarantie der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein verbuchen kann. Insgesamt verblieb zum 30. September nach Steuern ein Konzernfehlbetrag von 25 Mio. Euro, nach einem Minus 269 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.
Nach wie vor sind die Zahlen der HSH Nordbank von mehreren positiven und negativen Sondereinflüssen verzerrt, wobei die entlastenden Effekte überwiegen: So absorbierte die Bilanzgarantie der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein Risikovorsorge in Höhe von 414 Mio. Euro. Aber auch ohne diese Garantie sah es nicht gut aus. Vor allem wegen der Probleme ihrer Schiffskredite stieg die Risikovorsorge für faule Kredite auf 458 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte die Bank noch Reserven aufgelöst.
Der neue Vorstandschef von Oesterreich verwies auf das nach wie vor schwierige Marktumfeld. Gleichwohl habe sich das Neugeschäft der Nordbank in den vergangenen Monaten erfreulich entwickelt. "Wir fassen im Kundengeschäft wieder Tritt", sagte von Oesterreich. So habe sich das Neugeschäft mit 4,5 Mrd. Euro zum Vorjahreszeitraum beinahe verdoppelt worden. Bei Provisions- und Zinserträgen - dort schlägt sich der operative Erfolg einer Bank nieder - zeigte sich der Erfolg jedoch noch nicht: Beide Posten gingen deutlich zurück.