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Merken   Drucken   08.11.2012, 09:12 Schriftgröße: AAA

Schlechte Quartalszahlen: Neue Bescheidenheit bei der Commerzbank

Als einer der Marktführer im Privatkundengeschäft schraubt die Commerzbank ihr Gewinnziel erheblich herunter. Ihre neue Botschaft lautet: Die guten Jahre sind definitiv vorbei – das gilt für alle großen Filialbanken.

Die Commerzbank  senkt ihr langfristiges Ertragsziel im Privatkundengeschäft in Deutschland deutlich nach unten. In ihrem am Donnerstag vorgestellten Strategiekonzept für die nächsten vier Jahre rechnet das Institut für die Sparte bis 2016 nur noch mit einem operativen Ergebnis von 500 Mio. Euro. Das wäre nur noch die Hälfte dessen, was die Bank bislang als Ertragsziel ausgegeben hatte.

Steigende Erträge und sinkende Kosten sollen die Bank bis 2016 deutlich profitabler machen. Die Commerzbank stellte eine Nettorendite auf das Eigenkapital von zehn Prozent für 2016 in Aussicht; die Deutsche Bank  erwartet zwölf Prozent - allerdings schon 2015.

Auch im Gesamtvergleich zum Branchenprimus steht die Nummer zwei unter den deutschen Banken nicht gut da. So hat die Deutsche Bank im dritten Quartal dank anziehender Geschäfte im Investmentbanking vor Steuern einen Gewinn von 1,1 Mrd. (Vorjahreszeitraum: 942 Mio.) Euro eingefahren. Unterm Strich blieben 755 Mio. Euro in der Kasse.

Die französische Großbank Societe Generale  hat im dritten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten. Netto fiel der Gewinn um 86 Prozent auf 85 Mio. Euro von 622 Mio. Euro vor einem Jahr, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Grund waren unter anderem Verluste durch Verkäufe von Vermögenswerten in Griechenland und den USA. Analysten hatten im Schnitt mit einem Nettogewinn von 139,1 Mio. Euro gerechnet.

Die Revision der Ziele veranschaulicht die Probleme der gesamten Branche im klassischen Bankgeschäft. Aufgrund der demographischen Entwicklung und der damit verbundenen schwachen Kreditnachfrage in Deutschland erwarten Experten in den nächsten Jahren allenfalls ein Erlöswachstum in Höhe der Inflationsrate. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus fällt es den Banken ohnehin schwer, ihre Margen zu verteidigen. Gleichzeitig nimmt der Konkurrenzkampf zu.

Vor allem die Direktbanken nehmen den etablierten Filialbanken immer mehr Marktanteile ab, sie können dank ihrer niedrigen Kosten Kredite oder Sparprodukte günstiger anbieten. Und gerade bei einfachen Produkten wie etwa einer Baufinanzierung entscheidet heute nur der Preis, auf die Treue der Kunden kann sich keine Bank verlassen.

Unter den Voraussetzungen erscheinen schon die 500 Mio. Euro aus heutiger Sicht ambitioniert. In den ersten neun Monaten dieses Jahres verdiente die Commerzbank im Privatkundengeschäft operativ gerade noch 215 Mio. Euro - bei insgesamt elf Millionen Kunden und bundesweit 1200 Filialen. Einen Großteil des Ergebnisses steuerte überdies die Online-Tochter Comdirect bei, während das Filialgeschäft gemessen an seiner Größe kaum etwas abwarf.

Mit einem harten Sanierungsprogramm will die Commerzbank nun gegensteuern und die Sparte flott kriegen. Die Bank kündigte eine "Anpassung der Personalkapazitäten" an, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Im Raum steht ein Personalabbau von bis zu 6000 Stellen - quer durch die Bank. Gleichzeitig will Konzern-Chef Martin Blessing den Service und das Produktangebot aufbessern. Dafür investiert die Bank in den nächsten vier Jahren gut 1 Mrd. Euro, unter anderem in die Schulung der Mitarbeiter und in neue Technik.

Eine Million neue Privatkunden als Ziel

Ziel sei der "Aufbau einer modernen Multikanalbank" und ein flexibleres Filialnetz. Das bedeutet wohl auch, dass künftig nicht mehr alle Zweigstellen jede Dienstleistung anbieten. Anlagenberatung beispielsweise wird es wohl nur noch in größeren Städten geben. Gleichzeitig sollen die Öffnungszeiten erweitert werden.

Blessing erhofft sich von den Maßnahmen mehr Zulauf, einen höheren Umsatz pro Kunde und einer bessere Profitabilität. Die Kundenzahl soll bis 2016 auf zwölf Millionen steigen, die Aufwandquote in der Kernbank auf 60 Prozent sinken. In den ersten drei Quartalen 2012 lag sie bei knapp 70 Prozent. Im Privatkundengeschäft betrug sie jedoch fast 90 Prozent.

Ob die Commerzbank ihre Ziele erreichen kann, hängt aber auch davon ab, ob die Kunden wieder mehr Vertrauen zu den Banken gewinnen. Ein Hauptgrund für die aktuelle Misere - nicht nur bei der Commerzbank - ist die Skepsis der Anleger, die kaum noch Finanzprodukte kaufen. Seit der Finanzkrise ist das Verhältnis zwischen Banken und Kunden erschüttert. Blessing gestand heute indirekt ein, dass die Finanzindustrie ein strukturelles Problem bekommen hat. "Ein ,Weiter so' kann es in der Bankenbranche nicht mehr geben. Das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen wird die wichtigste Aufgabe aller Banken in den kommenden Jahren sein", sagte er.

  • FTD.de, 08.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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