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Merken   Drucken   16.12.2011, 12:16 Schriftgröße: AAA

Schrumpfkur: Crédit Agricole beginnt mit dem Ausmisten

Die französische Bank verkauft ihr Beteiligungsgeschäft. Das Institut macht damit einen Schritt zur Erfüllung der neuen Eigenkapitalvorschriften. Europaweit suchen Banken nach Abnehmern für Geschäftssegmente. von Barbara Schäder  Frankfurt
Die französische Bank Crédit Agricole  verkauft ihr Beteiligungsgeschäft an den britischen Private-Equity-Spezialisten Coller Capital. Zum Preis machte die Bank keine Angaben. Der Verkauf ist Teil einer Schrumpfkur, mit der das Institut seinen Finanzbedarf bis Ende 2012 um 50 Mrd. Euro verringern will. Hintergrund sind die neuen Eigenkapitalregeln für europäische Banken. Ihr Kernkapital soll ab Mitte nächsten Jahres neun Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme entsprechen. Mit dem Verkauf sinke die Summe der risikogewichteten Vermögenswerte um 900 Mio. Euro, teilte Crédit Agricole mit.
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Kreditinstitute in ganz Europa suchen derzeit nach Abnehmern für Geschäftsbereiche, die sie wegen der neuen Eigenkapitalvorschriften abstoßen wollen. Die Deutsche Bank  beispielsweise hofft, durch den Verkauf von großen Teilen ihrer Vermögensverwaltung 2 Mrd. Euro einzunehmen.
Die Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften droht damit das ursprüngliche Ziel zu verfehlen. Die Neun-Prozent-Quote wurde festgelegt, um die Widerstandskraft der Banken gegen die Schuldenkrise zu stärken. Dazu sollten sie Kredite und Vermögenswerte in ihrer Bilanz mit mehr hartem Kernkapital unterlegen, um Verluste abfedern zu können. Nach Berechnungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) fehlten den 70 größten europäischen Instituten zum Bilanzstichtag 30. September 115 Mrd. Euro, um die Quote zu erfüllen.
So viel Geld durch die Ausgabe neuer Aktien oder Einbehaltung von Gewinnen aufzubringen, ist im gegenwärtigen Marktumfeld praktisch unmöglich. Deshalb setzen viele Institute stattdessen auf eine Schrumpfkur. Zwar kann das durchaus dem Ziel dienen, die Risiken zu verringern. Der Verkauf profitabler Geschäftsbereiche oder gar eine Verminderung der Kreditvergabe an Unternehmen seien aber nicht wünschenswert, kritisierte am Donnerstag der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi.
Welche Nachteile die Aufgabe ganzer Geschäftszweige mit sich bringt, wird am Beispiel Crédit Agricole sehr deutlich: Die Bank kündigte am Dienstag Abschreibungen von 1,3 Mrd. Euro wegen des geplanten Ausstiegs aus dem Handel mit Rohstoffen und Aktienderivaten an. Die Einstellung dieses Geschäfts werde die Erträge der hauseigenen Investmentbank schmälern, erklärte das Institut zur Begründung. Weil das Institut weitere 1,2 Mrd. Euro auf Bankbeteiligungen in Spanien, Portugal, Italien und der Ukraine abschreiben muss, erwartet Crédit Agricole in diesem Jahr einen Verlust.
mit Agenturen
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  • FTD.de, 16.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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