Die EZB hatte am 21. Dezember zum ersten Mal seit ihrer Gründung Kredite mit einer Laufzeit von drei Jahren an die Geschäftsbanken vergeben. Mehr als 500 Banken nahmen damals Darlehen in Höhe von insgesamt 489 Mrd. Euro auf. Es war die höchste Summe, die jemals auf einen Schlag bei der Zentralbank abgerufen wurde.
Die EZB reagierte mit der Vergabe der Dreijahreskredite auf Refinanzierungsprobleme der Banken vor allem in den hoch verschuldeten Krisenländern der Euro-Zone. Allein italienische Geldhäuser hoben bei dem Dreijahrestender nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters mehr als 110 Mrd. Euro ab.
Misstrauen verteuert Kredite auf dem Interbankenmarkt
Italienische Banken leiden ebenso wie Institute aus Griechenland, Portugal, Irland und Spanien darunter, dass viele andere Geldhäuser ihnen nicht mehr über den Weg trauen. Deswegen erhalten sie auf dem Interbankenmarkt nur noch zu hohen Zinsen Kredit.
Auch an den Finanzmärkten Geld über die Emission von Anleihen zu beschaffen, fällt Instituten aus den Euro-Krisenländern schwer. Denn Investoren befürchten ein Übergreifen der Staatsschuldenkrise auf die Banken. Diese Befürchtung kommt nicht von ungefähr: Größte Gläubiger der meisten Staaten sind die dort ansässigen Geldhäuser.
Vor diesem Hintergrund rechnet auch die US-Investmentbank Goldman Sachs mit einer Verdoppelung der Nachfrage beim zweiten EZB-Dreijahrestender. Laut Financial Times äußerte das Institut diese Erwartung kürzlich gegenüber Kunden. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter 25 Geldmarkthändlern zur voraussichtlichen Nachfrage der Banken ergab dagegen einen Durchschnittswert von 325 Mrd. Euro.