Der Rückzug deutscher Banken aus hoch verschuldeten Euro-Staaten könnte nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch schmerzhafte Folgen für den Sektor haben. Die Geldhäuser liefen Gefahr, Unternehmen und Verbrauchern in Deutschland das Geld regelrecht hinterherschmeißen zu müssen. "Da zu viel Kapital einem zu kleinen Inlandsgeschäft hinterherjagen wird, sehen wir Gefahren für die Preisbildung bei der Kreditvergabe", schreiben die Bonitätswächter in einer am Dienstag veröffentlichten Analyse.
Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 fahren viele deutsche Banken ihr Auslandsgeschäft zurück, um Risiken abzubauen. Das europäische Schuldendrama hat diesen Prozess noch verstärkt, weil die Geldhäuser vor Investitionen in den Krisenstaaten zurückscheuen. Hinzu kommen regulatorische Auflagen: Die verschärften EU-Eigenkapitalvorschriften können viele Banken nur erfüllen, indem sie ihre Bilanz verkleinern - durch einen Abbau der risikogewichteten Vermögenswerte, die mit voll für Verluste haftendem Kapital unterlegt werden müssen.
Kreditvergabe im Ausland seit Jahren rückläufig
Dieser Bilanzabbau trifft vielfach das Auslandsgeschäft. Die
Commerzbank beispielsweise will sich bei der Vergabe von Firmenkrediten künftig auf Deutschland und Polen konzentrieren. Fitch verweist auf Zahlen der Bundesbank, nach denen deutsche Institute ihre Ausstände bei ausländischen Geldhäusern und Unternehmen in den vergangenen vier Jahren um 480 Mrd. Euro reduzierten. Im gleichen Zeitraum seien die Forderungen an heimische Banken und Firmen um rund 195 Mrd. Euro gestiegen.
Die Einlagen bei deutschen Banken stiegen von Ende 2007 bis Ende 2011 um 389 Mrd. Euro. Insofern müssten sich die Institute um ihre Refinanzierung keine Sorgen machen, schreibt Fitch. Es stelle sich aber die Frage, wie diese Mittel "im Umfeld einer gedämpften Inlandsnachfrage nach Krediten" eingesetzt werden könnten. Neben einem Rückgang der Zinsen, der die Gewinnmargen der Banken verringern würde, könnte "ein unattraktives Verhältnis des Risikos zum Ertrag" die Folge sein.