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23.12.2010, 17:00
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Schuldenkrise:
Irland verstaatlicht die vierte Bank
Allied Irish hatte sich mit der Finanzierung großer Immobilienprojekte verzockt. Die Regierung will das Institut zunächst mit 3,7 Mrd. Euro stützen. Im nächsten Jahr wird die Bank noch mehr Geld brauchen.
Die irische Regierung übernimmt die Kontrolle bei
Allied Irish Banks (AIB), dem zweitgrößten Kreditinstitut des Landes. Der High Court in Dublin, das oberste Zivil- und Strafgericht des Landes, machte am Donnerstag den Weg für eine Verstaatlichung ohne Zustimmung der bisherigen Aktionäre frei. Das Finanzministerium kündigte daraufhin die Aufstockung des Staatsanteils von 19 auf gut 92 Prozent an. Dafür soll die Bank eine Kapitalspritze von 3,7 Mrd. Euro erhalten. "Ohne diese Investition würde Allied Irish Banks am 1. Januar nicht mehr existieren", sagte Finanzminister Brian Lenihan dem Radiosender RTE.
Eine Filiale der Allied Irish Banks in Dublin
AIB ist binnen zwei Jahren die vierte irische Bank, die verstaatlicht wird. Zuvor hatte die Regierung schon die Kontrolle über die Anglo Irish Bank und die Bausparkassen Nationwide Building Society und EBS Building Society übernommen. Die Banken hatten während des Bau-Booms der zurückliegenden zehn Jahre großzügige Kredite an Projektentwickler und erlitten nach dem Platzen der Immobilienblase erhebliche Verluste. Die Kosten für die Sanierung der Institute sind der Hauptgrund dafür, dass Irland unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen musste.
Mit der Geldspritze für AIB soll deren Eigenkapitalquote bis zum Jahresende auf acht Prozent erhöht werden. Sie wird von der irischen Regierung mit Mitteln des Nationalen Pensionsfonds finanziert. Der Pensionsfonds erhalte dafür rund 675 Millionen Stimmrechtsaktien und rund zehn Milliarden Vorzugsaktien, teilte das Finanzministerium am Donnerstag mit. Der Staatsanteil der Bank werde damit zunächst auf 49,9 Prozent steigen. Sobald der Verkauf der polnischen AIB-Tochter Zachodni an die spanische
Banco Santander abgeschlossen sei, würden die Vorzugsaktien in Stimmrechtsaktien umgewandelt und der Staatsanteil auf voraussichtlich 92,8 Prozent erhöht.
AIB war einst das wertvollste Unternehmen an der irischen Börse
Die Aktien soll der Pensionsfonds zum Stückpreis von 32 Cent erhalten. Nach der Mitteilung des Finanzministeriums stürzte der Kurs der Papiere an der Börse in Dublin um mehr als 20 Prozent auf eben diesen Preis ab. AIB, noch vor drei Jahren das nach Marktkapitalisierung größte irische Unternehmen mit einem Börsenwert von 21 Mrd. Euro, ist damit nur noch rund 350 Mio. Euro wert. Künftig sollen die Aktien nach dem Willen des Finanzministeriums nur noch im Börsensegment Enterprise Securities Market gehandelt werden, das für kleinere Unternehmen bestimmt ist.
Die Bank wird im nächsten Jahr noch mehr Geld brauchen: Das Rettungspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde mit der Auflage verknüpft, die Eigenkapitalquote der irischen Banken auf zwölf Prozent der risikogewichteten Aktiva zu erhöhen. AIB benötigt dafür weitere 6,1 Mrd. Euro. Dieses Geld kann nach Angaben der EU-Kommission dem Rettungspaket entnommen werden, das insgesamt 85 Mrd. Euro umfasst. 17,5 Mrd. davon muss Irland allerdings selbst beisteuern, allein für das nächste Jahr plant die Regierung Kürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von 6 Mrd. Euro.
Teil 2: Kapitalspritzen für weitere Banken genehmigt
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FTD.de, 23.12.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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