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Merken   Drucken   24.11.2010, 18:48 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Irlands Banken entwickeln sich zum Milliardengrab für Anleger

Die Finanzinstitute der Insel sind offenbar noch maroder als gedacht. Die Kosten für die Absicherung nachrangiger Bank-Anleihen schnellen in die Höhe. Das Beispiel der Anglo Irish Bank zeigt, warum.
Der irische Bankensektor gleicht einem Fass ohne Boden. Die Regierung werde ihren Anteil an der Bank of Ireland  voraussichtlich auf 80 Prozent erhöhen und die Allied Irish Banks  (AIB) komplett verstaatlichen müssen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf EU-Kreise.
Passanten vor der Anglo Irish Bank in Dublin   Passanten vor der Anglo Irish Bank in Dublin
Wegen der immensen Kosten für die Sanierung der Banken sah sich Irland Anfang der Woche gezwungen, die EU und den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe zu bitten. Das Rettungspaket wird sich nach Angaben des irischen Ministerpräsidenten Brian Cowen voraussichtlich auf 85 Mrd. Euro belaufen.
Viele Anleger fürchten, dass im Falle einer Verstaatlichung die Anleihegläubiger an den Kosten der Restrukturierung beteiligt werden. Die Kosten für die Absicherung nachrangiger Anleihen der AIB schnellten deshalb am Mittwoch in die Höhe: Laut dem Datendienstleister CMA kletterten entsprechende Kreditausfallswaps (CDS) zeitweise auf 5109 Basispunkte, am Abend notierten sie bei 4814 Basispunkten. Damit kostete es 4,8 Mio. Euro im Jahr, Nachranganleihen im Wert von 10 Mio. Euro gegen einen Ausfall zu versichern.
Dass eine solche Absicherung dennoch sinnvoll sein kann, zeigt das Beispiel der bereits verstaatlichten Anglo Irish Bank. Anleihegläubiger des Instituts, die sich mit CDS eingedeckt haben, sollen für den Wertverlust entschädigt werden. Das teilte die International Swaps & Derivatives Association (ISDA) am Mittwoch mit.
Der Grund: Bei der Anglo Irish Bank ist bereits klar, dass viele Anleihegläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten müssen. Inhaber von Nachranganleihen im Umfang von 70 Mio. Euro, die 2017 auslaufen, mussten einen Abschlag von 80 Prozent auf ihr Investment akzeptieren. Die verbleibenden 20 Prozent sollen sie dafür bereits 2011 zurückbekommen. Nach Darstellung der Bank stimmten 92 Prozent der Betroffenen zu. Wer es nicht tat, geht praktisch ganz leer aus und erhält nur 1 Cent je 1000 Euro Nominalwert zurück.
Vor diesem Hintergrund stellte die ISDA fest, der Versicherungsfall sei eingetreten. Damit könnten 679 CDS-Verträge fällig werden, mit denen Anleihen im Nominalwert von 379,2 Mio. Euro versichert wurden. Wie viel Geld die CDS-Inhaber erhalten, soll über eine Auktion ermittelt werden. Auf diese Weise wird festgestellt, welchen Preis die Anleihen derzeit auf dem Markt noch erzielen. Die Differenz zum ursprünglichen Nennwert wird den CDS-Inhabern erstattet.
Die 679 CDS-Verträge beziehen sich aber nicht ausschließlich auf nachrangige, sondern zum Teil auch auf vorrangige Anleihen. Da Inhaber dieser Papiere noch Chancen auf eine vollständige Rückzahlung haben, ist nicht sicher, ob sie ihre Ansprüche aus den CDS-Verträgen jetzt geltend machen.
Die Finanzkrise hat Irlands Banken besonders hart getroffen. Die Summe der Bürgschaften und Kapitalspritzen, die die irische Regierung zur Stützung der Finanzinstitute vorsieht, ist fast drei Mal so hoch wie die Wirtschaftsleistung des Landes. Alles in allem stehen bisher 483 Mrd. Euro auf dem Spiel. Die EU-Kommission hat nach eigenen Angaben bisher gut 466 Mrd. Euro genehmigt. Der größte Teil davon entfällt mit 376 Milliarden Euro auf staatliche Garantien.
Diese Summe ist weitaus höher als in vielen anderen EU-Staaten, weil Irland zum Höhepunkt der Finanzkrise eine pauschale Bürgschaft für alle Bankeinlagen abgab. Die eigens gegründete Bad Bank NAMA kann den Banken faule Immobilienkredite zum Kaufpreis von 54 Mrd. Euro abnehmen.
Die irische Regierung hatte Ende September mitgeteilt, dass die notleidenden Banken weitere 17 Mrd. Euro an Kapitalbedarf haben. Neben Anglo Irish, Allied Irish und der Bank of Ireland hat sie bereits den Bausparkassen Irish Nationwide Building Society (INBS) und Educational Building Society (EBS) Kapitalspritzen im Umfang von gut 33 Mrd. Euro gewährt.
  • FTD.de, 24.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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