Sie spekuliert darauf, dass viele Anleihegläubiger selbst in so großen Problemen stecken, dass sie das Angebot der UBS annehmen werden, das bis nächsten Mittwoch gilt.
Konkret geht es um Anleihen im Nominalwert von 7 Mrd. Franken (4,56 Mrd. Euro) , die 2015 bis 2019 fällig werden und über 10 bis 14 Jahre laufen. Die UBS will sie per Auktionsverfahren für 1 Mrd. Euro zurückkaufen. Ein Sprecher sagte am Donnerstag: "Wir nehmen eine Opportunität wahr, die der Markt bietet."
Was er meint: Die Anleihen, die von institutionellen Investoren gekauft wurden, notieren derzeit mit gewaltigen Abschlägen zum Ausgabepreis am Markt. "Die Krise hat derartige Instrumente auf ein geradezu lächerliches Niveau gedrückt", sagte Dirk Becker, Analyst bei Kepler Capital Markets. Nach Berechnungen von Unicredit-Analyst Alexander Plenk betragen die Abschläge mehr als 35 Prozent.
Die Bank äußerte sich zu den Erfolgsaussichten der Auktion nicht. Sie erklärte nur, dass der Rückkauf "einen Gewinn zur Folge haben" werde, der in das Kernkapital fließen soll. Plenk zufolge fließen dem Kernkapital rund 360 Mio. Euro zu, sodass die Quote geringfügig von 11,5 auf 11,7 Prozent steigt. Die UBS hatte die Papiere schon vorher zum Zeitwert bilanziert, konnte die dadurch entstandenen Scheingewinne aber nicht dem Kernkapital zuschlagen. Dies wird erst durch die Realisierung des Gewinns beim tatsächlichen Verkauf möglich.
Finanzieren will die Bank das Angebot aus dem Erlös einer Pfandbriefanleihe über 4,75 Mrd. Franken. Sie wird derzeit unter der Schirmherrschaft der Schweizerischen Nationalbank begeben. Aus dem Erlös sollen 1,9 Mrd. Franken an die UBS fließen, der Rest geht an Credit Suisse.
Die Investoren dürften die Offerte der UBS mit gemischten Gefühlen sehen. Einige werden nach Auffassung von Analysten froh sein, in den nach wie vor stark gestörten Märkten an Liquidität zu kommen. Kapital- und nervenstarke Investoren dürften hingegen dazu tendieren, die Papiere bis zur Endfälligkeit zu halten, da sie dann den Nennwert zurückerhalten und zwischenzeitliche Kursverluste wieder ausgeglichen werden.
Von einer Irritation des Markts war am Donnerstag nichts zu spüren. Die UBS-Aktie schloss in Zürich um 4,6 Prozent fester bei 12,35 Franken. Damit fiel die Reaktion ganz anders aus als in jenen Fällen, in denen Banken die ersten möglichen Kündigungstermine für Nachranganleihen verstreichen ließen. Dies hatte die Deutsche Bank im Dezember zu spüren bekommen: Seinerzeit ließ sie den Termin für die vorzeitige Rückzahlung einer Anleihe über 1 Mrd. Euro, die dem Eigenkapital zuzurechnen ist, verstreichen. Ein ebenso ungewöhnlicher Schritt, der seinerzeit Spekulationen über die Finanzkraft der Deutschen Bank ausgelöst hatte. Davon blieb die UBS jetzt verschont.
Außer dass die UBS die für sie günstige Marktlage nutzt, hat der Anleiherückkauf für sie auch eine strategische Bedeutung, denn eine Folge der Finanzkrise wird sein, dass die Bankenaufseher nachrangiges Ergänzungskapital nicht mehr als regulatorisches Eigenkapital anerkennen. Am Mittwoch etwa erklärte die britische Finanzaufsicht, dass als Solvenzkriterium ausschließlich das Kernkapital der Banken herangezogen werden soll. In der Schweiz soll nachrangiges Ergänzungskapital bis spätestens 2020 nicht mehr als regulatorisches Eigenkapital qualifiziert sein - und damit nicht mehr für die Unterlegung von Bankrisiken zur Verfügung stehen. Mit dem Rückkauf der Nachrangpapiere trägt die UBS bereits jetzt den künftigen Anforderungen Rechnung. Wie die UBS am Donnerstag weiter bekannt gab, soll auf der Generalversammlung im April ein neuer Rahmen für spätere Kapitalerhöhungen im Gesamtumfang von rund 390 Millionen Aktien beantragt werden.