Der US-Senat erhebt schwere Vorwürfe gegen die britische Großbank HSBC . Mit einer "überall verbreiteten schmutzige Geschäftseinstellung" habe die Bank Kunden aus Mexiko, dem Iran oder Saudi-Arabien geholfen, Drogengeld zu waschen oder Geld zur Terrorfinanzierung zu verschleiern und in die USA zu schaffen. Der 335-seitige Bericht ist das Ergebnis einer einjährigen Untersuchung der US-Behörden. Dafür wurden 1,4 Millionen Dokumente ausgewertet und Interviews mit 75 HSBC-Mitarbeitern und Regulierern geführt. Am heutigen Dienstag müssen Vertreter von Europas größter Bank vor dem Senat zu den Vorwürfen nehmen.
Der US-Senator Carl Levin sagte, angesichts der Verstöße müsse man auch darüber nachdenken, der Bank ihre Lizenz zu entziehen. Bankchef Stuart Gulliver entschuldigte sich in einer Stellungnahme für das "inakzeptable Verhalten" seines Instituts und gelobte Besserung. Das Unternehmen werde sich den Vorwürfen stellen.
Die Nordamerika-Chefin von HSBC, Irene Dorner, sagte ebenfalls vor dem Ausschuss, sie bedauere die Fehler der Bank. Man habe umfassende Schritte unternommen, um die Defizite zu beheben. "Ich möchte ganz klar sagen, dass wir es zutiefst bedauern und uns dafür ntschuldigen, dass die HSBC den Erwartungen unserer Regulierer, Kunden, Angestellten und der Öffentlichkeit nicht gerecht geworden sind", sagte die Topmanagerin.
"Wir haben aus unseren Erfahrungen in den USA gelernt und wenden diese nun auf einer globalen Basis an." Es seien Änderungen in der Unternehmenskultur, der Struktur, den Regeln und beim Personal der Bank vorgenommen worden, um den US-Kontrollstandards zu genügen. Dorner hatte 2010 die Leitung der nordamerikanischen Niederlassungen übernommen. Unter anderem wird dem Institut vorgeworfen, 2007 und 2008 gut 7 Mrd. Dollar aus ihren mexikanischen Filialen in die USA transferiert zu haben - trotz des Wissens, dass es sich um Drogengeld handeln könnte und trotz Warnungen der mexikanischen und US-amerikanischen Behörden.
Zudem betrieb die Bank intensiv Geschäfte mit der saudi-arabischen Al Rajhi Bank, die dem Senat zufolge der Terrorfinanzierung verdächtig ist. 2005, als die Vorwürfe gegen Al Rahji bekannt wurden, hatte HSBC angekündigt, nicht mehr mit der Bank zusammenzuarbeiten. Doch vier Monate später machte das Institut diese Entscheidung weitgehend rückgängig. 2006 stand Al Rahji dann auch wieder der volle HSBC-Service zur Verfügung. Die saudische Bank hatte zuvor gedroht, ansonsten das komplette Geschäft mit den Briten einzustellen.
Um Geschäfte mit dem Iran zu verschleiern, habe das Institut Verweise aus den Überweisungsunterlagen getilgt, sie mit andern Überweisungen vermischt und über andere Banken umgeleitet. Zwischen 2001 und 2007 habe es mehr als 28.000 Transaktionen gegeben, die gegen die US-Sanktionen gegen verschiedene Länder verstoßen haben könnten, 2500 davon aus dem Iran. Die restlichen Geschäfte wurden mit Nord-Korea, Kuba und dem Sudan getätigt. Doch auch innerhalb der USA nahm es die Bank mit den Compliance-Richtlinien nach Angaben des Senats nicht so genau. So habe HSBC weiterhin Geschäft mit einem US-Abwickler gemacht, der eingestanden hatte, in Geldwäsche für das mexikanische Drogenkartell verwickelt zu sein. Zudem habe die Bank ihre fragwürdigen Geschäfte auch dann noch fortgesetzt, als bereits gegen das Haus ermittelt wurde.
Nach Einschätzung des US-Senats war die Compliance-Abteilung der Bank unter anderem wegen hoher Personalfluktuation und Stellenkürzungen überhaupt nicht in der Lage, verdächtige Geldströme zu überprüfen. Hinzu kam ein vorsätzlicher Bruch der Vorschriften durch verschiedene Bankmitarbeiter. Kritik gibt es aber auch an der zuständigen Regulierungsbehörde Comptroller of the Currency, die trotz einer Vielzahl von Hinweisen nicht gegen die Bank vorgegangen sei.
Der Bericht kommt für das Institut zur Unzeit. HSBC gehört zu der Gruppe von Banken, die in die Manipulation des britischen Interbankenzinssatzes Libor verwickelt sein könnte. Zudem steht die Finanzbranche derzeit verschärft in der Kritik - nicht zuletzt wegen einer milliardenschweren Fehlspekulation eines Händlers beim US-Geldhaus JP Morgan, die unter anderem durch fehlende Risikokontrollen begünstigt wurde.