FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » US-Banken wollen sich mit 5 Mrd. Dollar von Vorwürfen freikaufen

Merken   Drucken   11.05.2011, 16:30 Schriftgröße: AAA

Skandal um Zwangsversteigerungen: US-Banken wollen sich mit 5 Mrd. Dollar von Vorwürfen freikaufen

Um Prozessen wegen mutmaßlich irregulärer Hausräumungen und Zwangsversteigerungen aus dem Weg zu gehen, bieten fünf große US-Banken den Geschädigten insgesamt 5 Mrd. Dollar Kompensation an. Ein Ende des Debakels am US-Häusermarkt ist nicht in Sicht.
Die großen US-Banken sind amerikanischen Medien zufolge zu einem milliardenschweren Vergleich im Konflikt um Zwangsversteigerungen bereit. Bank of America , JP Morgan , Citigroup , Wells Fargo  and Ally Financial hätten bis zu 5 Mrd. Dollar angeboten, um die Verfahren von Bundesstaaten und des Justizministeriums beizulegen, berichtete das "Wall Street Journal". Die fünf Unternehmen stehen für 59 Prozent des US-Hypothekenmarktes, der ein Volumen von etwa 1060 Mrd. Dollar hat. Die Häuser wollten den Bericht nicht kommentieren.
Ein Mann geht in Chicago an zwangsversteigerten Häusern vorbei   Ein Mann geht in Chicago an zwangsversteigerten Häusern vorbei
Den Instituten wird vorgeworfen, Zwangsversteigerungen im Schnellverfahren durchgeführt zu haben. Der Geldbetrag soll demnach zur Entschädigung von Betroffenen genutzt werden, die von den Banken in einen Zwangsversteigerungsprozess gezwungen wurden. Geld soll es auch für Leute geben, die aus ihren Häusern regelrecht vertrieben wurden, wie es ein US-Offizieller bezeichnete. Dazu soll ein Fonds eingerichtet werden, der von Regierungsstellen verwaltet würde.
Die Banken wollen damit einen Vorstoss der Regierung abwenden, der unter anderem einen Höchstbetrag für Hypotheken vorsieht. Ebenso wie Vertreter der republikanischen Partei befürchten die Institute, dass zu starke Einschränkungen dazu führen werden, dass die Banken generell weniger Kredite vergeben würden. Dies würde den ohnehin schon desaströsen US-Häusermarkt noch weiter belasten. Statt einen Höchstbetrages einzuführen, sollten eher die Tilgungsmodalitäten geändert werden, sagte ein Vertreter der amerikanischen Bankenvereinigung.
Generell sieht es auf dem US-Häusermarkt immer noch düster aus, mit einer Erholung wird frühestens 2012 gerechnet. Nach Zahlen des Immobilienunternehmens Zillow überstieg im ersten Quartal 2011 bei mehr als 28 Prozent der US-Hypothekenschuldner die Höhe der Darlehen den Wert des Hauses. Bei den Banken geht deshalb die Angst um, dass viele Schuldner die Tilgungen komplett einstellen und ihr Haus einfach der Bank überlassen. Anschließend könnten sie wieder vorn vorne beginnen - mit einem neuen Kredit.
Zudem ist der Wert von US-Eigenheimen laut Zillow im Vergleich zum Vorquartal um drei Prozent, im Vergleich zum Vorjahr sogar um 8,2 Prozent gesunken, so viel wie seit Ende 2008 nicht mehr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Zwangsversteigerungen wieder an. Zuletzt hatte der Immobilienfinanzierer Fannie Mae  mitgeteilt, er brauche weitere 8,5 Mrd. Dollar vom Staat, um zu überleben. Bisher hat der Beinahezusammenbruch des Häusermarkt die USA rund 150 Mrd. Dollar gekostet.
Sinkende Einwohnerzahlen So stirbt Detroit
Wegen ihres Verhaltens in der Finanzkrise und auf dem US-Häusermarkt stehen die Banken derzeit scharf unter Beschuss. Erst vor wenigen Tagen gab es eine Klage gegen die Deutsche Bank. Die US-Regierung wirft der Bank vor, sich den Zugang zu einem Regierungsprogramm erschlichen zu haben, das für Hypotheken bürgte. Dabei geht es um Garantien, die der amerikanische Staat für Immobilienkredite übernahm, die die Deutsche Bank und ihre heutige Tochter MortgageIT zwischen 1999 und 2009 an Hauskäufer in den USA vergeben hatten.
Der Klageschrift zufolge musste der amerikanische Staat bislang schon mit 386 Mio. Dollar für Kreditausfälle bei Hypotheken des deutschen Konzerns geradestehen - und rechnet mit weiteren Hunderten Millionen Dollar an künftigen Belastungen. Die Deutsche Bank  und MortgageIT "vollführten die schlimmsten der gewagten Kreditvergabepraktiken in der Branche", sagte US-Staatsanwalt Preet Bharara Reuters zufolge auf einer Pressekonferenz in Manhattan.
Auch in Kalifornien läuft eine Klage gegen das Haus. Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles wirft dem Kreditinstitut vor, Schuldner widerrechtlich aus ihren Häusern geworfen zu haben, um die Immobilien zwangszuversteigern. Die Deutsche Bank bestreitet sämtliche Vorwürfe. Das Institut gehört auch nicht zu den Häusern, die den 5-Mrd.-Dollar-Fonds einrichten wollen.
  • FTD.de, 11.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  09:15 Wirtschaft Auslaufmodell Blackberry?
Wirtschaft: Auslaufmodell Blackberry? (00:01:22)

Hersteller Research in Motion schwer unter Druck - Offenbar Suche nach Verbündeten angelaufen mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6284,35  [3.55 +0,06%
  Dow Jones 12419,86  [-160.83 -1,28%
  Nasdaq Composite 2837,36  [-33.63 -1,17%
  Euro Stoxx 50 2121,87  [5.69 +0,27%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote