FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Ex-Chef der Royal Bank of Scotland verliert Adelstitel

Merken   Drucken   01.02.2012, 15:49 Schriftgröße: AAA

Späte Strafe: Ex-Chef der Royal Bank of Scotland verliert Adelstitel

Fred Goodwin ist ab nächster Woche kein "Sir" mehr. Drei Jahre nach der milliardenschweren Rettung seines Geldhauses durch den Steuerzahler zieht die britische Regierung Konsequenzen: "Fred the Shred" wird aus dem Ritterstand ausgeschlossen.
Amt und Ansehen hat Fred Goodwin schon vor mehr als drei Jahren verloren. Doch angesichts der öffentlichen Empörung über die von Goodwin in die Krise gesteuerte Royal Bank of Scotland  (RBS) sieht sich die britische Regierung bemüßigt, zu härteren Mitteln zu greifen: Dem 2004 in den Ritterstand erhobenen Ex-Banker werde sein Adelstitel wieder aberkannnt, teilte Premierminister David Cameron am Dienstagabend mit.
Fred Goodwin verliert seinen Titel   Fred Goodwin verliert seinen Titel
Goodwin stehe damit in einer Reihe mit dem früheren rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu und dem umstrittenen Staatschef von Simbabwe, Robert Mugabe, berichten britische Medien. Der heute 53-Jährige war vor acht Jahren für "Verdienste um das Bankwesen" zum Ritter geschlagen worden.
Doch mit der Übernahme des niederländischen Konkurrenten ABN Amro 2007 beging Goodwin einen schweren Fehler. Als wenig später eine Blase auf dem britischen Immobilienmarkt platzte und die Banken des Landes in den Strudel der weltweiten Finanzkrise gerieten, wurde die Last für die RBS zu schwer. Das Institut wurde mit 46 Mrd. Pfund an Steuergeldern gestützt und befindet sich zu rund 80 Prozent in Staatsbesitz. Seither wird Goodwin in britischen Boulevardmedien "Fred the Shred" genannt - "Fred, der Schredder".
Eklat um Boni brachte auch Cameron Kritik ein
Premierminister Cameron begründete den nachträglichen Entzug der Ritterwürde mit einer im Dezember veröffentlichten Untersuchung der britischen Finanzaufsicht (FSA). Die Behörde hatte in ihrem Bericht zur Finanzkrise Goodwin und andere frühere Konzernchefs für den Niedergang der RBS verantwortlich gemacht, räumte aber auch eigene Fehler bei der Beaufsichtigung des Instituts ein.
Der Beschluss des für die Aberkennung von Ehrentiteln zuständigen Komitees, das mit Spitzenbeamten aus mehreren Ministerien besetzt ist, folgt auf eine heftige öffentliche Auseinandersetzung um die Boni für die Führungsspitze der RBS. Sowohl Vorstandschef Stephen Hester als auch der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Hampton verzichteten am Wochenende auf millionenschwere Prämien, die von Medien und Opposition scharf kritisiert worden waren. Cameron wurde vorgeworfen, er hätte die Boni von vornherein verbieten müssen.
  • FTD.de, 01.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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