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Merken   Drucken   14.08.2012, 19:45 Schriftgröße: AAA

Sparkassen-Fonds: Investmentbanker wird Chef der Dekabank

Keiner der Topfavoriten hat das Rennen gemacht: Die Deka setzt überraschend CS-Banker Michael Rüdiger in den Chefsessel. Oliver Behrens wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender.
© Bild: 2012 FTD/Tim Wegner
Keiner der Topfavoriten hat das Rennen gemacht: Die Deka setzt überraschend CS-Banker Michael Rüdiger in den Chefsessel. Oliver Behrens wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender.
von und Frankfurt

Dieser Coup ist Georg Fahrenschon wirklich gelungen. Der Präsident des Sparkassendachverbands DSGV und Verwaltungsratschef der Dekabank präsentierte am Dienstag Michael Rüdiger als künftigen Vorstandsvorsitzenden des zentralen Fondsdienstleisters der Sparkassen. Alle möglichen Namen waren im Vorfeld genannt worden, darunter Lars Hille, im Vorstand der genossenschaftlichen DZ Bank für das Kapitalmarktgeschäft verantwortlich, und Stefan Ermisch, Ex-Finanzvorstand der BayernLB. Mit dem Investmentbanker Rüdiger, Europa-Chef der Credit Suisse, hatte dagegen niemand gerechnet.

Wie Fahrenschon auf Rüdiger kam, bleibt vorerst sein Geheimnis. Eine "Bayern-Connection" existiert insofern, als Rüdigers familiärer Lebensmittelpunkt am Ammersee liegt und Fahrenschon von 2008 bis 2011 bayerischer Finanzminister war. Aus dieser Zeit, in der er auch Verwaltungsratsvorsitzender der BayernLB war, kannte er Ermisch, der sein Lieblingskandidat für den Spitzenjob bei der Dekabank gewesen sein soll. Allerdings soll Ermisch im Verwaltungsrat nicht durchsetzbar gewesen sein.

Rüdiger, dessen berufliche Stationen über die Vermögensverwaltung der Allianz und die UBS zur Credit Suisse führten und der sich als Risikomanager, Investmentbanker und schließlich im Private Banking profilierte, wirkt ein wenig fremd in der bodenständigen Sparkassenwelt.

Bei der Credit Suisse hat der 48-Jährige eine steile Karriere gemacht und war zuletzt Vorstandschef für Mitteleuropa. In dieser Position verantwortete er alle Geschäfte der Schweizer Großbank in Deutschland, Österreich und Luxemburg sowie in 14 mitteleuropäischen Ländern.

Im Auftritt wirkt Rüdiger vom Scheitel bis zur Sohle wie der Prototyp des Private Bankers: Geschliffene Umgangsformen, keine Angriffsflächen. Allerdings äußert er sich außerhalb des Protokolls mitunter recht kritisch über sein Gewerbe. Er lässt auch schon einmal durchblicken, dass es für Leute wie ihn, die genug verdient haben, eigentlich an der Zeit sei, "dem Land etwas zurückzugeben". Ihm werden gute Kontakte in die Politik bis hinauf ins Kanzleramt nachgesagt.

Michael Rüdiger   Michael Rüdiger

Er ist zudem überzeugt, dass Deutschland in den Ressorts Wirtschaft und Finanzen über die fähigsten Beamten verfügt, und schwärmt insbesondere für Levin Holle, ehemals Spitzenberater bei Boston Consulting und seit November 2011 für vergleichsweise schmale Vergütung Leiter der wichtigen Abteilung Finanzmarktpolitik im Bundesfinanzministerium.

Die Bezahlung dürfte auch Rüdiger nicht an dem Jobwechsel gereizt haben. Es darf getrost unterstellt werden, dass er bei der Credit Suisse um einiges besser verdient hat als künftig bei den Sparkassen.

Ironischerweise musste sein Vorvorgänger Franz Waas ausgerechnet wegen eines Bonusstreits mit Fahrenschons Vorgänger Heinrich Haasis im April dieses Jahres den Chefsessel bei der Dekabank räumen.

Dessen kommissarischer Nachfolger Oliver Behrens hatte nie offen Anspruch auf eine dauerhafte Besetzung des Chefpostens erhoben und stattdessen stets die Interessen der Sparkassen in den Vordergrund gestellt. Für diese Loyalität wurde er jetzt mit dem neu geschaffenen Posten eines stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden belohnt.

  • Aus der FTD vom 15.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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