Die europäische Schuldenkrise lässt die Gewinne der Geldhäuser weltweit schrumpfen. Viele Institute reagieren und streichen massenweise Jobs. FTD.de gibt einen Überblick.
von Frank Bremser
und Barbara SchäderFrankfurt
Bei den Banken weltweit kreist der Rotstift. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass ein Institut Stellenstreichungen bekannt gibt. Die Häuser leiden unter den Folgen der Staatsschuldenkrise, die ihre Gewinne drückt. Besonders im Fokus steht dabei das Investmentbanking. Alleine in dieser Wioche kündigten mit ING, BNP Paribas, Danske Bank und Credit Suisse vier Institute weitere Jobkürzungen an. FTD.de gibt einen Überblick über den Stellenabbau bei Banken.
Im Zuge der Zahlen zum 3. Quartal gab die Deutsche Bank bekannt, gut 500 Stellen vor allem im Investmentbanking zu streichen. Hier soll etwa jede zehnte Stelle wegfallen. Finanzchef Stefan Krause sagte, "man passe die Plattform an" und werde dies wenn nötig auch weiter tun. Auch bei den Töchtern Postbank und BHF soll gekürzt werden. Die zum Verkauf stehenden BHF soll dabei aufgehübscht werden, Medienberichten zufolge werden spätestens Anfang 2015 circa 270 der derzeit 1300 Mitarbeiterplätze ihre Stelle verlieren.
Die Hypovereinsbank (HVB) will gut 700 von 3700 Stellen streichen. Der Abbau soll nach dem Willen des Instituts nach Möglichkeit bis zum Jahr 2013, spätestens aber bis 2015 abgeschlossen sein. Nach der Übernahme durch die italienische Unicredit hatte die HVB bereits mehrere tausend Stellen gestrichen. Die Bank begründete den Abbau mit dem wirtschaftlichen Umfeld.
Auch bei den deutschen Landesbanken regiert der Rotstift. So muss die HSH Nordbank aufgrund von EU-Vorgaben kräftig umgebaut werden. Die Bank gab im Sommer den Abbau von 900 der derzeit 3300 Stellen bekannt. Seit 2008 hat die HSH bereits mehr als 1000 Stellen gestrichen. Bei der WestLB ist der Umfang des Stellenabbaus noch unklar. Derzeit arbeiten für die Düsseldorfer noch knapp 4500 Menschen. Doch durch die angekündigte Aufspaltung der Bank ist deren Zukunft offen. Derzeit wird über Streichungen von gut 1800 Stellen spekuliert.
Arbeiter reinigen den Schriftzug der Zentrale der Bank BNP Paribas in Paris
Die größte französische Bank BNP Paribas kündigte am Donnerstag die Streichung von mehreren hundert Stellen an. Konkrete Zahlen will Konzernchef Baudouin Prot am 15. November nennen. Der Nettogewinn des Instituts brach im dritten Quartal um 72 Prozent ein. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch den geplanten Schuldenerlass für Griechenland, für den BNP Paribas 2,3 Mrd. Euro zurücklegte. Hinzu kamen Verluste beim Verkauf von Anleihen anderer hoch verschuldeter Staaten wie Spanien und Italien. Zudem verdarb die Euro-Krise wie bei anderen Geldhäusern auch den Investmentbankern von BNP Paribas das Geschäft.
Die Nummer zwei in Frankreich, Société Générale kündigte im September an, sie wolle durch den Verkauf von Geschäftsteilen 4 Mrd. Euro einnehmen. Zugleich würden die laufenden Kosten im Investmentbanking um fünf Prozent gesenkt, auch durch Stellenabbau "in einigen Ländern". Zahlen nannte das Institut nicht. Bereits im September kündigte das Haus an, bei der russischen Tochter Rosbank 2000 Stellen zu streichen.
Die drittgrößte französische Bank Crédit Agricole will bis Ende 2012 rund 50 Mrd. Euro Schulden abbauen. Um die Kosten zu senken, soll die hauseigene Investmentbank auf einen Teil ihres Geschäfts künftig komplett verzichten. Was das für die Arbeitsplätze bedeutet, ist noch unklar.
Mit der Streichung von 2700 Stellen reagierte die niederländische ING eigenen Angaben zufolge auf die sich verschlechternde Marktsituation und daraus resultierende Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen. Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssten die Kosten zurückgefahren werden, sagte ING-Chef Jan Hommen.
Auch die verstaatlichte Großbank ABN Amro will bis 2015 2350 Stellen abbbauen. Betroffen sind vor allem IT-Dienste und das Privatkundengeschäft. Ebenfalls im Bereich IT sowie in der Zentrale wird die Rabobank bis 2013 mehr als 1200 Stellen abbauen. Grund seien "Effizienzüberlegungen", hieß es.
Positive Nachrichten gibt es aus Luxemburg: Laut der Luxemburger Zentralbank hat dort die Zahl der Bankangestellten im dritten Quartal auf 26.809 Mitarbeiter zugelegt. 56 Institute hätten Mitarbeiter eingestellt, bei 33 Geldhäuser sei die Zahl der Beschäftigten gesunken.
Ein Blitz ist während eines Gewitters über dem Firmensitz der UBS in Zürich zu sehen
Die Credit Suisse erweitert ihr laufendes Sparprogramm und streicht weitere 1500 Stellen. Bereits im Juli hatte die Credit Suisse die Streichung von 2000 Stellen angekündigt. Der Stellenabbau trifft vor allem das Investmentbanking, das die Großbank derzeit neu ausrichtet. Ziel ist es, in den kommenden zwei Jahren 2 Mrd. Schweizer Franken einzusparen. Im Sommer hatte die Bank als Ziel noch 1,2 Mrd. Franken an Kostensenkungen angegeben.
Dabei werden bei der neuen Runde von Stellenstreichungen auch ein paar hoch bezahlte und altgediente Banker gehen müssen. Grund hierfür sind Bestimmungen der Aufsichtsbehörden. Die Regulierungsbehörden hatten gedrängt, den Anteil der Boni am Gehalt zu reduzieren. Das habe die Flexibilität beschränkt, teilte die Credit Suisse mit.
Die US-Bank JP Morgan hatte in einer Studie im Juli vor allem Festgehälter als wesentlichen Faktor bei möglichen Kündigungen ausgemacht. Der Trend weg von flexiblen Boni und hin zu Festgehältern, deren Höhe vorab genau festgelegt wird, nehme den Banken die Flexibilität. Das könne dazu beitragen, dass sich Kündigungen in schlechten Zeiten nicht vermeiden ließen. Gerade in Investmentbanken seien die Erlöse volatil.
Der Konkurrent UBS hatte nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal angekündigt, bis Ende 2013 weltweit 3500 Stellen zu streichen, vor allem im Investmentbanking. Dort fallen 35 Prozent der 3500 Arbeitsplätze weg.
Doch nicht nur die großen Platzhirsche entlassen Mitarbeiter: Auch bei der Privatbank Julius Bär wird gespart. Schweizer Medien schätzen, dass es gut 150 der weltweit 3500 Stellen wegfallen könnten.
Das Logo der HSBC-Bank hängt an einer Fassade in London
Auf den britischen Inseln muss ein Vielzahl von Bankangestellten um ihren Job zittern.
Europas größte Bank, die HSBC, wird sogar richtig radikal. Im Zuge einer Neustrukturierung sollen bis 2013 insgesamt 30.000 der weltweit gut 300.000 Stellen wegfallen.
Barclays-Chef Bob Diamond
Ähnliche Zahlen bietet Lloyds auf: Bis zum Jahr 2014 sollen insgesamt rund 15.000 Stellen gestrichen werde. Dies soll unter anderem durch eine Vereinfachung der Konzernstruktur sowie Einschnitte in der Verwaltung, aber auch durch den Abbaus von Auslandsaktivitäten erreicht werden. Seit der Finanzkrise sind damit bei Lloyds gut 45.000 Stellen weggefallen.
Bei der Royal Bank of Scotland trifft es vor allem das Investmentbanking. Zuletzt hieß es, dass dort 2000 Stellen gestrichen werden. Seit der Finanzkrise hat die Bank bereits 25.000 Stellen gekürzt.
Barclays etwa will Konzernchef Bob Diamond zufolge bis Ende des Jahres bis zu 3000 Stellen abbauen. Im ersten Halbjahr sind bereits 1400 Jobs gestrichen worden. "Gehen Sie davon aus, dass dieser Trend anhält und sich eher noch beschleunigen wird", sagte Diamond.
In den USA fallen bei JPMorgan wegen des sich verschlechternden Umfelds etwa 1000 Stellen im Investmentbanking weg, bei Goldman Sachs stehen Medienberichten zufolge 1400 Jobs auf der Kippe. Bereits angekündigt ist der Wegfall von 1000 Arbeitsplätzen. Finanzvorstand David Viniar begründete die Kürzungen mit schwachen Geschäftsaussichten. Bei Morgan Stanley sollen US-Medien zufolge "mehrere tausend" Stellen gestrichen werden. Die Bank of Americastreicht in den kommenden Jahren rund 30.000 Stellen und will damit 5 Mrd. Dollar sparen.
Die durch die Finanzkrise unter Druck geratene Danske Bank will in den kommenden drei Jahren rund 2000 Stellen abbauen. Dadurch sollen die Kosten des dänischen Geldinstituts bis 2014 um zehn Prozent beziehungsweise 2 Mrd. Kronen (270 Mio. Euro) gesenkt werden. Angesichts einer schwachen Geschäftsentwicklung will die japanische Bank Nomura 1,2 Mrd. Dollar sparen. Dies will die Bank vor allem durch Entlassungen in Europa erreichen.
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