Das älteste Geldhaus der Alpenrepublik muss verkauft werden. Wegelin-Mitarbeiter sollen US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen haben.
Der Steuerstreit mit den USA zwingt die älteste Schweizer zur Aufgabe. Die wegen mutmaßlicher Beihilfe zu Steuerhinterziehung ins Visier der US-Behörden geratene Privatbank Wegelin flüchtet sich in die Arme der Schweizer Raiffeisenbank. Wegelin verkauft den größten Teil des Geschäfts an die Genossenschaftsbank. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt.
Praktisch alle 700 Mitarbeiter wechseln nach Angaben vom Freitag zu Raiffeisen. Einzig das US-Geschäft bleibt bei den bisherigen Teilhabern, die sich ganz auf die Auseinandersetzung mit den US-Strafverfolgungsbehörden konzentrieren wollen.
Die schwierige und existenzbedrohende Lage infolge der rechtlichen Auseinandersetzung mit den US-Behörden zwinge die Teilhaber zu diesem Schritt, sagte Wegelin-Chef Konrad Hummler in einer Mitteilung. Hummler gilt in der Schweiz als einer der herausragenden Verteidiger des Bankgeheimnisses. Er ist auch Präsident der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ).
Die US-Behörden werfen Wegelin-Mitarbeitern vor, amerikanische Kunden von der Großbank UBS übernommen zu haben, als gegen sie bereits wegen des Verdachts auf Beihilfe zu Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Die Bank habe ihnen Schutz vor den amerikanischen Behörden versprochen, hieß es in der Anklageschrift gegen drei Wegelin-Mitarbeiter. Die Männer sollen reichen US-Steuersündern geholfen haben, über 1,2 Mrd. Dollar vor den Behörden zu verbergen.
Insgesamt stehen elf Schweizer Banken im Visier der USA. Mindestens zwei Dutzend Häuser und zahlreiche US-Kunden haben die Amerikaner angeklagt. Eine Klage in den USA kann für eine Bank existenzgefährdend sein. Zudem besteht bei in aller Öffentlichkeit ausgetragenen rechtlichen Auseinandersetzungen die Gefahr, dass sich Kunden nach einem anderen Vermögensverwalter umsehen. Ein Team von Kundenberatern wechselte Anfang Januar von Wegelin zu Rothschild.
Wegelin-Chef Konrad Hummler sah keine andere Möglichkeit
Seit Jahresanfang versuchte Wegelin das Problem zu entschärfen. Die Bank nahm Verhandlungen mit den US-Behörden auf und ein Partner, der in das US-Geschäft involviert war, wurde suspendiert. Doch das reichte offenbar nicht. Der Verkauf der Vermögensverwaltung sei unumgänglich, teilte Wegelin mit. "Es ist unsere Pflicht, unseren Kunden und Mitarbeitern ein Maximum an Sicherheit zu geben," sagte Hummler.
Raiffeisen kann sich mit der Übernahme den lange gehegten Traum einer eigenen Privatbank erfüllen. Im vergangenen Herbst hatte Raiffeisen auch ein Angebot für die Übernahme der Bank Sarasin vorgelegt, gegen die brasilianische Safra aber das Nachsehen gehabt. Mit verwalteten Vermögen von gut 100 Mrd. Franken ist Sarasin zwar rund vier Mal größer als Wegelin. Aber auch die St.Galler Wegelin hat in der Privatbankenszene einen klangvollen Namen.
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