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31.03.2011, 13:05
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Streit mit Börsenaufsicht:
Ex-Hedge-Fonds-Manager drohte SEC mit "Todesliste"
"Ich werde mit gutem Beispiel vorangehen" - Im Internet rief ein Ex-Hedge-Fonds-Manager dazu auf, Waffen zu kaufen und sich die USA von der SEC und anderen "Kriminellen" zurückzuholen. Ein Antiagressionstraining hatte er da schon hinter sich. Er beteuert, die Drohungen seien nicht ernst gemeint gewesen.
von Kai Makus, Hamburg
Held, Hitzkopf oder Gefahr für die Gesellschaft - das wird ein New Yorker Gericht zu entscheiden haben, wenn der Prozess gegen Vincent P. McCrudden startet. Eine "Todesliste" soll der frühere Hedge-Fonds-Manager erstellt und auf der Internetseite seiner Firma veröffentlicht haben. "Das muss aufhören - und zwar jetzt", soll er dort geschrieben. "Kündigt eure Jobs. Zahlt keine Steuern mehr. Kauft euch Waffen, und dann geht an die Arbeit und holt euch das Land zurück von diesen Kriminellen." Und McCrudden soll hinzugefügt haben: "Ich werde mit gutem Beispiel vorangehen."
47 Mitarbeiter von Aufsichtsbehörden soll er auf einer "Todesliste" aufgeführt haben. Das zumindest wirft die Anklage dem 50-Jährigen vor, der Mitte Januar auf dem Flughafen Newark verhaftet worden war und der seit dem in Untersuchungshaft sitzt. Die Zahlung einer Kaution hat das Gericht abgelehnt. Die Vorwürfe sind zu zwei Anklagepunkten zusammengefasst, die in einer Verurteilung zu jeweils fünf Jahren Haft münden könnten. Die Behauptung, er habe zugleich 100.000 Dollar Belohnung für denjenigen ausgelobt, ihm Beweise dafür vorlege, dass die angeprangerten Behördenvertreter "bestraft" worden seien, findet sich nicht mehr. Dennoch wären zehn Jahre Haft eine drakonische Strafe für jemanden, der nach Einschätzung seiner Ex-Frau einfach ein Hitzkopf ist - und der sich selbst als Opfer von Behördenwillkür wähnt.
Ein Antiaggressionstraining half Vincent McCrudden offenbar nicht
Nachdem er sein Studium abgebrochen und sich kurzzeitig als Profifußballer versucht hatte, beginnt McCrudden 1987, an der Wall Street zu arbeiten. Er steigt vom einfachen Händler an Trading Desks für Gold, Rohöl und später Kreditderivate auf, bis er schließlich zeitweise den weltweiten Handel für Devisenderivate bei Garban leitet. McCrudden war auch für Firmen wie Pali Capital, Alnbri Management oder Centurion Securities tätig. "Ich habe im Verlauf meiner Karriere Finanzgeschäfte im Wert von Hunderten Milliarden Dollar abgewickelt", erzählt er der Nachrichtenagentur Bloomberg, die ihn in der U-Haft am Telefon interviewte. "Am meisten stolz bin ich darauf, dass sich nie ein Kunde beschwert hat."
Dafür bekommt er 1996 Ärger mit der Aufsicht. Die von ihm gegründete Firma Hybrid Fund erleidet Verluste im Handel mit Kupfer. McCrudden wird vorgeworfen, er habe den Fehlbetrag seinen Kunden gegenüber verschwiegen. Dafür habe er Gelder in die Bilanz eingestellt, die er in einem Gerichtsverfahren vom japanischen Metallkonzern Sumitomo erstreiten wollte. Die Japaner hätten den Markt manipuliert, klagt der Fondsmanager, bekommt vor Gericht recht und Schadenersatz zugesprochen, mit dem er die Verluste aus dem Kupferhandel ausgleicht. Dennoch wird Anklage gegen ihn wegen Manipulation erhoben. 2003 wird er von einem Geschworenengericht freigesprochen.
Doch schon damals gehen mit dem Mann die Pferde durch. Vielleicht haben ihn die Anschläge vom 11. September 2001 zu sehr mitgenommen. McCrudden hat zwar die Explosionen und den Einsturz des World Trade Centers überlebt. Bei dem Anschlag sind aber fast zwei Dutzend Freunde von ihm ums Leben gekommen. Danach entwickelte er sich offenbar zum Verschwörungstheoretiker, wie der US-Sender CNBC nach Recherchen auf den Internetseiten des Managers berichtet. "Mitbürger, wacht auf!", soll dort zu lesen gewesen sein. Und: "Wir stehen einer neuen al-Kaida gegenüber." Von wann der Aufruf "Handelt, bevor es zu spät ist" stammen soll, geht aus dem Bericht nicht hervor. CNBC berichtet, McCrudden werfe der Regierung in Washington nirgends direkt vor, hinter 9/11 zu stecken. Wer zwischen den Zeilen lese, verstehe ihn aber auch so ganz gut.
Teil 2: McCrudden verfolgt, Madoff verschont?
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FTD.de, 31.03.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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